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Sprieß(contus), stief in Zusammens. wie Stiefmutter, Stier, Thier, tief, Verlies, vier und Viertel, Vlies, wie, Wien, Zieche(stragulum), zieren und Zierat.
Dazu kommen noch Stiege und Wiege, welche beide schon mhd. ie an der Stelle von i haben, und die Fremdwörter Brief(lat. breve, fr. bref), Fieber(lat. febris, fr. fièvre), Priester(lat. presbyter, fr. prêtre aus prestre), Riemen(lat. remus), Spiegel(lat. speculum, fr. espiègle), Ziegel(lat. tegula). Bei diesen hat sich ie aus e entwickelt, was ja auch in den romanischen Sprachen sehr häufig der Fall ist, freilich bei ganz verschiedener Aus- sprache, da hier i vor e als j gehört und e hervorgehoben wird, z. B. bien(bene), pied(pes, ped-), siècle(seculum). Aus lat. ae ist ie in Grieche(graecus) hervorgegangen.
§. 4, 3, c. Wie schwierig es ist, den Unterschied zwischen wieder(rursus) und wider (contra), den die Grammatiker des verfloqenen Jahrhunderts ersonnen haben, durchzuführen, zeigt das als Beispiel angeführte Widerhall, das nicht nur den Anprall, sondern auch die Wiederholung des Schalles ausdrückt, folglich eben so gut mit ie geschrieben werden kann (vgl. lat. resonare). Früher hatte man für beide Begriffe nur wider.
§. 4, 5, a sollte das falsch gebildete, vermuthlich durch das fr. tapissier veranlaßte Tapezier für Tapezierer nicht stehen, mag man es auch noch so häufig auf den Aushängeschildern lesen. Wir haben zwar Barbier und Barbierer, Possamentier und Possamentierer, aber die erstere der beiden Formen ist nichts anderes als das entlehnte fr. barbier, passementier.
3) Dehnung der Vocale durch nachgesetztes h.
Das weite Gebiet des Dehnungs-h sucht die hann. Anweisung zu beschränken, ohne jedoch die Grenzen der Mäßigung zu überschreiten. Ihren Vorschlägen können wir uns unbe- denklich anschliegen. Ich meinestheils wünschte nur, daß wir den Unterschied zwischen mahlen (molere) und malen(pingere) schwinden ließen, theils weil er, wie ich oben(S. 2) gezeigt habe, in sehr verkehrter Weise angewandt worden ist, theils weil er gar nicht allgemein anerkannt ist.
Kaum verständlich sind die Worte§. 5, 2:„Ein Unterschied zwischen wohl und wol ist nicht begründet.“ Niemand wird ja daran zweifeln, daß wir es mit einem und demselben Worte zu thun haben. Die Aussprache freilich ist eine schwankende. In verschiedenen Gegenden, namentlich Norddeutschlands, hört man das o kurz. In manchen Verbindungen sprechen auch wir es kurz, z. B. wohlan, wohlauf, Wohllust(gewöhnlich Wollust), wohlfeil. Die Schreibung des Wortes ohne h gewinnt von Tag zu Tag mehr Boden und so findet es sich auch in der neuesten Ausgabe des an unserm Gymnasium eingeführten Lesebuchs von Wackernagel.
Organisch oder wenigstens für j, g, w eingetreten ist h bei einer Reihe von Wörtern, welche, wie schon oben bemerkt, im Anhang S. 50 verzeichnet sind. Ich lade sie hier be- richtigt und ergünzt folgen, ohne jedoch auf die Entstehung des h Rücksicht zu nehmen:
Ahne(palea), Achre, allmählich, bähen, blähen, blühen, Böhmen, brühen, Bühel oder Bühl, Dohle, drehen, Ehe, erwähnen(mhd. gewaehenen), aber nicht wähnen(mhd. waenen, von jenem ganz verschieden), fahen und fähig, Fehde, flehen, fliehen, Floh, gäh oder jäh, gedeihen, Gemahl und vermählen, geruhen(mhd. ruochen= curare, respicere), geschehen, Geweih, glühen, Heher, hoher und Höhe, krähen, Lahn(ahd. Logana), Lehen und lehnen(mutuum dare), leihen,— loh in Ortsnamen(silva, virgultum), Lohe(flamma) und lichterloh, mähen, Mahl(con-


