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echte Gestalt dieser drei praet. nicht verwischen und bloß mit i schreiben um deswillen, weil der Vocal im grösten Theile von Deutschland kurz gesprochen wird. Schreiben wir ja doch auch vierzig, Viertel und das ie lautet kurz.
Ueberhaupt aber müßen wir uns der Meinung entschlagen, als ob Schrift und Aussprache sich wechselseitig immer decken müßten. Der schön klingende Satz: Schreibe, wie du sprichst, ist zwar sehr leicht ausgesprochen, aber ihn durchzuführen ist sehr schwer, manchmal sogar unmöglich. Man erwäge z. B. das ch in Buch, kriechen, Fuchs; das g in Bug, kriegen, gern an und für sich, man vergleiche ferner diese beiden Buchstaben in den genannten Wörtern mit einander, man denke endlich an das anlautende sp und st, z. B. stehen, sprechen, und man wird zugeben müßen, daß jener Grundsatz mit strikter Konsequenz nicht durchzuführen ist, so richtig er auch an und für sich ist.
So viel im allgemeinen über die Dehnung der Vocale.
1) Dehnung durch Vocalverdopplung.
§. 3, 1. Trotz der groden Inkonsequenz, die man bei Anwendung dieses Mittels gewahrt, wenn man z. B. Aal mit schal, Haar mit Schar, Aas mit Glas, Staat mit Grat vergleicht, kann ich nicht umhin den Wörtern mit geminiertem Vocal eins zuzufügen, nämlich baar, theils im Hinblick auf Paar, theils wegen des herrschenden Gebrauches.
§. 3, 2 steht Fee unter den deutschen Wörtern. Es gehört aber zu den folgenden Fremd- wörtern, die aus dem französischen aufgenommen sind. Unter diesen befindet sich auch Kaffee und Thee, denen man füglich auch ihre französische Gestalt, café, thé laßen könnte, freilich ohne Accent.
2) Dehnung des i durch nachgesetztes e.
Neuerungen sind hier nicht eingeführt worden, man müßte denn das ie in Fremdwörtern, die auf ier, ieren ausgehen, wie Turnier, probieren, dahin rechnen wollen. Dieses ie entspricht aber sowohl der Tradition als der Natur der Sache und ist zudem schon sehr viel im Gebrauche.
Organisch ist ie in folgenden Wörtern, die sich gröstentheils auch im Anhange verzeich- net finden(vgl. S. 3):
1) biegen, bieten, fliegen, fliehen, flieen, frieren, gebieten s. bieten, genießen, gieben, kiesen und erkiesen, kriechen, niesen(früher stark), riechen, schieben, schieden, schliefen(se insinuare), schließen, schmiegen(früher stark), schnieben neben schnauben(Grimm Gr. I?, 983), sieden, sprießen, stieben, triefen, triegen neben dem unrichtigen trügen, verdrießen, ver- lieren, ziehen.
2) blies, briet, fiel, fieng, gieng, hieng, hieb, hielt, hie8, lief, ließ, rief, rieth, schied(partic. früher gescheiden), schlief, schriet(jetzt verdrängt durch schrotete), sties.
3) Bier, Biest und Biestmilch(lac novum), die, Dieb, Diener, Dienstag, Diet(populus) in Dietlieb, Dietrich u. a. m., Friedel(amator), Friesel, Gebiet vgl. gebieten, Gieden, Griebe, Grieò, Hieb, hier und hiesig, Kiel(carina), Kieme(Grimm Gr. III, 410), Kien, Knie, Krieche (prunum), Krieg und kriegen(bellare), lieben, Lied(carmen), liederlich neben lüderlich, Mieder statt Müder(Grimm Gr. I3, 227), Miete und mieten(conducere), nie, niemand, niedlich, Nied- brauch vgl. genieden, Niere, Niet und nieten, Pfrieme, Ried(carex), Riemen, Riester, Ries (Rhaetia), schief, schier, sie, siech, Spied(hasta) nicht Spieß(veru) vgl. Grimm Gr. III, 443 A,


