Aufsatz 
Ein Beitrag zur Würdigung der Epistel an die Pisonen / Ferdinand Anton Beck
Entstehung
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viel kommt auf eine richtige Verknüpfung an, ſo läßt ſich ſelbſt der Ausdruck des täglichen Lebens veredeln. Mich däucht, wenn man die Faunen aus dem Wald auf die Bühne bringt, ſo müßten ſie ſich wohl hüten, daß ſie nicht entweder wie die Pflaſtertreter auf dem Forum allzuzart und ſtädtiſch 245 der Wein⸗ und Liebesluſt fröhnen, oder bloß unfläthige Aeußerungen und Schimpfreden hören laßen. Denn das würde das Ohr der Herrn s) beleidigen, die ein Pferd, die Ahnen, die Geld und Gut beſitzen. Und wenn dem Käufer geröſteter Erbſen und Nüße etwas wohl behagt, ſo folgt nicht, daß auch jene daran Gefallen finden und den Kranz dem Dichter zuerkennen. 250 Eine lange Silbe mit vorangehender kurzen heißt Jambus, ein Versfuß von großer Raſchheit, der darum auch forderte, daß der jambiſchen Reihe der Name Trimeter beigelegt würde, obgleich er 6 Takte enthielt, ſo zwar, daß er von Anfang bis zu Ende des Verſes ſich gleich blieb 66). Es iſt nicht ſo gar lange her, daß er, um einen etwas langſameren und würdigeren Schritt zu erhalten, 255 die ſchwerfälligen Spondeen auf freundliche und bereitwillige Weiſe in ſein Eigenthum aufnahm, doch ſo daß er nicht an der 2. und 4. Stelle ſich verdrängen ließ. Dieſer Trimeter erſcheint ſelbſt in den edeln Verſen des Attius nur ſelten, und tritt gegen die mit Donnergepolter auf die Bühne geſchleuderten Verſe des Ennius als Kläger auf mit dem Vorwurf allzugroßer Uebereilung und Kunſt⸗ 260 loſigkeit. Freilich ſieht nicht jeder Beurtheiler es den Verſen an, daß ſie holperig und mistönend ſind, und den römiſchen Dichtern hat man hierin eine zu weit gehende Freiheit geſtattet. Soll ich aber deshalb alle Regeln der Verſifikation mit Füßen treten? Oder ſoll ich etwa, in der Voraus⸗ 265 ſetzung, daß meine Fehler für alle leicht erkennbar ſein würden, achtſam und vorſichtig ſein, freilich nur innerhalb der Grenzen der gehofften Nachſicht? So kann ich am Ende doch nur höchſtens dem Vorwurf entgehen, ich habe dagegen keinen Anſpruch auf Lob. Stndieret, ihr Dichter, die griechiſchen Muſter, ſtudieret ſie Tag und Nacht! Indeſſen haben eure Vorfahren die Plautiniſchen Verſe und 270 Witze hoch geprieſen. In doppelter Beziehung waren ſie zu nachſichtig, um nicht zu ſagen, albern in ihrer Bewunderung, wenn ich anders ſo gut wie ihr den derben Spaß vom feinen Witze zu unter⸗ ſcheiden, und einen wohlklingenden Vers mit Ohr und Finger zu erkennen weiß. Thespis ſoll die früher unbekannte Tragödie erfunden haben und auf einem Karren mit ſeinen Dichtungen umherge⸗ 275 zogen ſein, welche er von Sängern, deren Antlitz mit Weinhefe beſtrichen war, agieren ließ. Hierauf ſchlug Aeſchylus, der Erfinder der Maske und des Talars, auf unbedeutendem Gebälk die Bühne auf

³⁵) Dieſe machen nemlich das Publikum in den Tragödien und in den Satyrſpielen aus, welche bekanntlich das Nachſpiel zu den Tragödien bildeten. Und auf den Beifall dieſes Publikums muß der Dichter derartiger Dramen gebührende Rückſicht nehmen. Dieſen Herrn würden jene beiden gerügten Fehler in der Ausdrucksweiſe der Satyrn misfällig erſcheinen, nach der Meinung des Horaz, inſofern überhaupt Flachheit und weichliches Weſen ſowie Pöbelhaftigkeit Leuten aus dem Ritterſtande zuwider ſind. Etwas anders würde es ſein, wenn der Dichter des Satyrſpiels ein weniger gewähltes Publikum vor ſich hätte, wie der Komödiendichter. Im Einklang mit einer ſolchen Auffaßung dieſer Stelle kann ich der Anſicht Döderleins nicht beitreten, welcher alſo überſetzt: 1 Aber der Faun, aus den Wäldern geholt, muß zweierlei meiden: Pöbelgemein zu erſcheinen, und faſt einem Redner zu gleichen: Allzugebildet und fein, wie ein Mann von Stande zu ſprechen, Schmutzige Reden zu führen und ehrenrührig zu ſchimpfen. Ein Gebahren der Satyrn nemlich in Rednerweiſe, ein Auftreten derſelben ähnlich einem Manne von Stande wäre allerdings nicht naturgemäß, und in ſofern hätte ſchon Horaz dies ſpeciell rügen können, aber eine Abirrung nach dieſer Seite hin würde ſicherlich einem Ritter,(der etwas Würdevolles im Ausdruck hören will, wenn er das Theater beſucht), nicht in dem Grade anſtößig geworden ſein, daß Horaz hier ſeine Vorſchriften für die Sprache des Satyrdramas, die er durch den Beifall des Publikums motiviert, durch eine Warnung vor einem ſolchen Fehler abgeſchloßen hätte. *¹*) In der Erklärung dieſer Stelle folge ich Ritter, wie ich überhaupt in dieſem ganzen Abſchnitte, der mannigfache Schwierigkeiten darbietet, im weſentlichen an dieſen Interpreten mich angeſchloßen habe.