Aufsatz 
Ein Beitrag zur Würdigung der Epistel an die Pisonen / Ferdinand Anton Beck
Entstehung
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rung vereinigt, worauf er ſchon früher hingewieſen hatte(V. 251294), was er nun hier unter der Rubrikquid alat formetque poetam(V. 307) aufs neue vorträgt. Auch die Gegenüber⸗ ſtellung der Römer hatten wir ſchon oben gefunden(V. 251 294), nur ſeeielerh auf die Komödie bezogen.

Der Beifall des Leſers(beziehungsweiſe des Hörers) muß für den Dichter eine unabweisbare Rückſicht bleiben, ſo hören wir weiter(V. 333 365), wie wir ſchon zu wiederholtenmalen vernommen haben, hier als Antwort auf die Fragequid deceat, quid non. Dabei bleibt es ganz indifferent, welche Zwecke man verfolgt, ob man bloß Belehrung ader bloß Ergötzung oder was der einzig richtige Geſichtspunkt ³⁶) beides vereinigt beabſichtigt.Dieſer Beifall wird unter allen Verhältniſſen(abgeſehen davon, ob man nur belehren oder nur ergötzen will) durch das ſorgfältigſte Vermeiden von Fehlern gewonnen. Felhler ſind bei der Schwäche der menſchlichen Natur zwar unvermeidlich, und ſie finden ſich ſelbſt bei Homer, immerhin aber bleiben ſie Fehler, die man wegwünſcht, und deren Beſeitigung das angelegentlichſte Beſtreben ſein muß für einen jeden, der nach der Dichterpalme ringt.

Dieſe Forderung des ängſtlichen Vermeidens von Fehlern, ſagt Horaz im Folgenden(V. 366 384), hat ihren Grund darin, daß man bei niemand weniger als bei dem Dichter Mittelmäßigkeit verträgt. Jetzt beginnt er ganz entſchieden den ſpottenden Ton anzuſchlagen. Denn, um es kurz auszuſprechen, er will die Dichterlinge in ihrer Erbärumlichkeit darſtellen, das iſt die Tendenz der ganzen ars poëtica, und der Grundgedanke des zweiten Haupttheils iſt kein anderer als dieſer:Alle Dichter, welche nicht dieſes Namens im vollſten Sinne des Worts würdig ſind, müßen für armſelige Kreaturen gelten. Man merkt, wie der Satiriker anfängt Argumente auf Argumente zu häufen(V. 374 384). Ein Beiſpiel hätte ja genügt, aber den in dieſer Beziehung ungläubigen Poetaſtern mußte recht deutlich alles vor Augen gelegt, gegen ſie mußten die wirkſamſten Mittel der Bekämpfung in Anwendung gebracht werden.

Am Schluße dieſes Abſchnitts fingiert er ſich im Zwiegeſpräch mit einem dieſer Dichterlinge und läßt ſich einen Einwurf derſelben vortragen. Statt aber denſelben zu beantworten, weil er allzu abge⸗ ſchmackt iſt, als daß er eine Beantwortung verdiente, wendet er ſich ſogleich wieder mit ernſter Miene an die Piſonen, als wolle er zu ſeinen Paräneſen, die mit dem 366. Verſe ganz ſpeciell an dieſelben gerichtet ſchienen, zurückkehren, indem er(V. 385 418) vor einer vorſchnellen Veröffentlichung poetiſcher Produktionen warnt. Dies heißt eben nichts anders als, was er ſchon ſo oft im Vorausgehenden eingeſchärft: Der Dichter ſoll die höchſte Stufe der Vollendung zu gewinnen ſuchen.Nur dann iſt es möglich, fährt er fort,jenen Einfluß auf das

³⁶) Nach der Meinung des Horaz. Dieſer ſagt nemlich im 343. V.:omne tulit punctum, qui miscuit utile dulci, womit der 377. Vers nicht in Widerſpruch ſteht:animis natum inventumque poëma juvandis. Wenn er hier nur Ergötzung als den Endzweck aller Poeſie hinſtellt, ſo iſt dies eben in dem Sinne des 343. Verſes. Ich verſtehe dies ſo: Wenn eine Dichtung im eigentlichen Sinne des Wortes ergötzt, d. h. den ganzen Menſchen ergreift und entzückt, ſo belehrt ſie eben dadurch zugleich. Denn jenes Entzücken äußert ſeine Nachwirkung: es fordert ganz unmittelbar zum Nachdenken auf und übt auf dieſe Weiſe einen um ſo bedeutenderen moraliſch veredelnden Einfluß aus, als jene Erweckung eine unwillkührliche, nicht beabſichtigte geweſen iſt. So verſteht es der Dichter durch Ergötzung ſeines Hörers dieſen gleichſam vermittelſt einer Ueberrumpelung oder Ueberliſtung zu belehren, das iſt eben zu beßern. Manche Dichter freilich, ſagt Horaz, gehen von der einſeitigen Anſicht aus(vgl. V. 333), ſie müßten entweder ihre Leſer ausſchließlich belehren oder ausſchließlich ergötzen, und für den Fall, daß ſie ſich einen ſo engen Leſerkreis vorſetzen, gibt er ihnen ſeine Rathſchläge, damit ſie ihren Zweck erreichen. Aber er läßt ganz unzweideutig erkennen(im 343. Berſc), was ach ſeinem Urtheil der einzig richtige Geſichtspunkt iſt, von dem der Dichter auszugehen habe. 1