Aufsatz 
Ein Beitrag zur Würdigung der Epistel an die Pisonen / Ferdinand Anton Beck
Entstehung
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Nothfall auftreten[V. 191]; der Chor ſoll nicht bloß die Rolle von Statiſten oder nur loſe mit der Handlung in Beziehung ſtehenden Figuranten haben[V. 19320I; die muſikaliſche Begleitung des Chors muß zur edeln Einfalt der frühern Zeiten zurückkehren[V. 202 219]).

Daran lehnt ſich ganz naturgemäß die Behauptung(V. 220 250):Aus demſelben Grunde (und einzig und allein aus dieſem Grunde, damit nemlich die Aufmerkſamkeit der Zuſchauer in Spannung erhalten werde)müßen ſelbſt untergeordnete Gattungen der dramatiſchen Poeſie, wie z. B. das Satyrſpiel, mit der größten Sorgfalt vom Dichter behandelt werden. Man hat hier zum Theil ſehr ſonderbare Vermuthungen über die Urſache der Hereinziehung des Satyrſpiels aufgeſtellt, allein wenn man die logiſche Verknüpfung der Gedanken in der Weiſe, wie ich gezeigt, feſthält, ſo wird man nichts Auffallendes hier warnehmen ²⁶). Vielmehr wird man es unſerm Kunſtrichter Dank wißen, daß er in ſo detaillierter Weiſe an einer ſcheinbar ſo niedrigen oder leichten Kunſtform nachgewieſen, wie ſeine Vorſchriften anzuwenden. Man wird zugleich ſeinen Genius bewundern, der die Mittel aufzu⸗ finden weiß, um jedes poetiſche Genre zu adeln und demſelben die echte Dichterweihe zu verleihen. Uebrigens aus dieſer Stelle folgern zu wollen, daß Horaz dem älteren Piſo, der die Abfaßung von Satyrſpielen beabſichtigt habe, hier ſpecielle Belehrung hierfür habe ertheilen ²²), oder daß er durch die hier gegebenen Ausführungen ſeine Zeitgenoßen zu Verſuchen in dieſer Gattung habe ermuthigen wollen ²s), iſt wohl eine gewagte und nach meinem Dafürhalten eine irrige Annahme, indem dies nicht nur mit den Vorausſetzungen, unter denen dieſer ganze Paſſus eingeführt iſt, ſondern auch mit der Tendenz der ganzen Epiſtel, wie weiter unten entwickelt werden wird, kollidieren würde.

An die Vorſchriftmit der größten Sorgfalt ſelbſt den äußern Bühnenverhältniſſen Rechnung zu tragen welche durch Hinweiſung auf den für alle Wirkung der dramatiſchen Poeſie unerläßlichen Beifall des Publikums motiviert war ſchließt ſich als ſehr nahe liegend(V. 251 294) die weitere Vorſchrift an, auch auf das Metriſche die größte Sorgfalt zu verwenden. Hier war dieſelbe Motivierung nicht nothwendig, hatte er ohnehin ſchon oben(V. 73 85) die Verſifikation berührt; hier genügte es, auf die Griechen zu verweiſen, als die unübertroffenen Muſter der Nachahmung:Auch in Bezug auf metriſche Reinheit ſind und bleiben die Griechen die klaſſiſchen Vorbilder; was durch Vergleichung der griechiſchen und römiſchen Komiker ſich ergibt; Horaz wählt vorzugsweiſe die Komiker, weil die Vernachläßigung des Metriſchen gerade hier ſehr nahe lag.Die Griechen hatten hier doch wenigſtens ihre Periode der Klaſſicität wenn auch ſpäter ein Verfall eintrat was ſich leider von den Römern nicht ſagen läßt ²⁵). Daran ſchließt ſich die nachdrückliche Wiederholung der Vorſchrift, es an der unerläßlichen ſorgſamſten Feile nicht fehlen zu laßen, inſofern dieſe auch im Metriſchen die Meiſterſchaft weſentlich bedinge.

Hieran reiht ſich eine Abfertigung der entgegenſtehenden Anſicht(V. 295 308), daß nemlich auf ein ſorgſames Ausfeilen nicht ſo viel ankomme, indem das Genie vorzugsweiſe dem Dichter ſeine Bedeutung gebe. Dieſe Abfertigung wird nun in humori⸗ ſtiſcher Weiſe eingeleitet, indem er dem Demokrit und allen deſſen Parteigängern welche jene Anſicht vertreten die abſurden Konſequenzen ihres Princips vorhält, dabei ſeine eigne geringe poetiſche Lei⸗

²⁰) Iſt doch die Beziehung von dem Dichter ſelbſt durch V. 223 und 224, und V. 248250 deutlich genug beleuchtet. ²¹) Wie Orelli meint, und Döderlein ausführlich zu begründen ſich bemüht.

²⁸) Wie Ritter annimmt.

²0) Hier verweiſe ich auf Anm. ¹¹).