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muliert und geordnet haben ¹²). Als Dichter aber— wenn ſchon als„didaktiſcher“ Dichter— weiß er ohne ſteife Markierung ſeines Ideengangs uns unvermerkt dahin zu führen, wohin er uns haben wlll. Das iſt eben die Logik des Dichters. Horaz charakteriſiert ſeine Manier ſelbſt in den folgenden 3 Verſen (V. 42— 44):„Zum Weſen dieſer Ordnung gehört es, und ihren Hauptreiz macht es aus, daß der Dichter zu jeder Zeit das ſage, was zu jeder Zeit zu ſagen iſt, und daß er das meiſte aufſchiebe und für jetzt nicht vorbringe.“ Man ſollte glauben, wenn man nur äußerlich den Kontext ins Auge faßt, es ſei jetzt erſt(v. Vers 42—44) von dieſer„lichtvollen Ordnung“ die Rede, namentlich wenn man die abſichtliche Wiederholung des Wortes ordo erwägt. Allein bei näherer Betrachtung findet man, daß er bisher eigentlich nur dieſen erſten Hauptpunkt beſprochen hat; denn ſind es nicht lauter Verſtöße gegen dieſe lichtvolle Ordnung des Ganzen, was er von V. 1—37 tadelt, d. h. Verſtöße nicht in formeller Hinſicht, ſondern gegen den Sinn und Geiſt, gegen die Idee der Dichtung? Es war freilich erforderlich, daß er noch auf die ſpecifiſche Differenz hinwies, welche in dieſer Beziehung zwiſchen einem poetiſchen und einem proſaiſchen Werke beſteht. Das iſt es, was er mit dieſen Worten(V. 42— 44) andeutet,— und wodurch er zugleich einen höchſt wichtigen Fingerzeig gibt, wie der Leſer auch die vorliegende Dichtung, die„ars poöëtica,“ aufzufaßen habe— in Hinſicht auf die Grup⸗ pierung der Ideen. Der Dichter darf nicht— wie der Redner, der Philoſoph thun würde— ſein Thema nach gewiſſen Kategorien abhandeln und eine jede derſelben an ihrem Platze gründlich erſchöpfen. Er muß vielmehr an ſich halten, er muß— ohne ſeine Grundidee aus dem Auge zu verlieren— abzu⸗ brechen wißen, damit der Leſer in Spannung erhalten werde. Dieſer Wink iſt von der allergrößten Wichtigkeit, und, wie mir ſcheint, von keinem Erklärer der epistola ad Pisones gebührend gewürdigt worden ¹³). Und doch liegt es an und für ſich ſo nahe, dieſen Maßſtab der Beurtheilung an dieſe Dichtung
¹²) Manche Herausgeber wollten den erſten Abſchnitt(v. V. 1—37) als„Einleitung“ faßen, worauf Horaz zunächſt hier von der Wahl eines paſſenden Stoffs handle,— eben weil ſie ſich nicht von dem Gedanken trennen können, die ars poöética ſei ein Lehrgedicht in optima forma. Selbſt Döderlein ſcheint eine ſyſtematiſch durchgeführte ars poética voraus⸗ zuſetzen, wie aus mehreren Stellen geſchloßen werden dürfte. So ſagt er namentlich S. 100:„Die 4 Verſe 25—28 ſind als Vergleichungsſätze gedacht und nur in parataktiſcher Form ausgeſprochen; wären es ſelbſtändige Regeln und Warnungen, ſo hätte der Dichter unbegreiflicher Weiſe einzelne Regeln der elocutio mitten in die Entwickelung des erſten Grundſatzes der inventio eingeflochten.“(So betrachtet auch Regelsberger V. 1—31 als allgemeine Lehre von der Erfindung.) Vgl. auch Anm. ¹³).
¹3) Ich darf hier nicht unerwähnt laßen, was Kolſter(in den neuen Jahrb. f. Phil. u. Päd. 1860. S. 139 sqq.), als Recenſent der gediegenen Abhandlung von A. Michaelis(„De auctoribus quos Hor. in libro de art. poët. secutus esse videatur. Kiel 1857“) bemerkt:„Indem wir ſo(nach den Unterſuchungen von Michaelis) das Werk(die ars poöt.) als eine durchaus ſelbſtändige Produktion des Dichters auffaßen müßen, wird die Frage nach der inneren Gliederung des ſelben eine doppelte Bedeutung gewinnen, und es wird ſich wohl der Philolog, aber nicht der Aeſthetiker beruhigen dürfen bei dem Reſultat, das ſich in dieſer Beziehung unſerm Verfaßer ergeben hat.“—„Der Verfaſſer beginnt mit der feinen Bemerkung, daß Horaz ſein Werk, gleich als wäre es nur eine beiläufige Aeußerung über ſeinen Gegenſtand, leicht gehalten habe, und daß er ſchon deswegen weder eine beſtimmte beabſichtigte Ordnung habe durchblicken laßen, noch eine Quelle nennen können. Der Punkt iſt eigentlich wichtiger, als er vom Verfaßer dargeſtellt wird, und die Frage, ob die dichteriſche Ordnung(ut jam nunc dicat— omittat) mit der philoſophiſch⸗ſyſtematiſchen und rhetoriſchen eins ſei, dürfte leicht den Schlüßel zu manchem hier an auffallender Stelle Erſcheinen⸗ dem enthalten.“— Wieland hatte zwar ſchon in ähnlicher Weiſe ſich ausgeſprochen, allein ihm war doch, wie mich bedünkt, das punctum saliens entgangen. Denn ſeine Vergleichung unſerer Epiſtel mit einem Spaziergang iſt zwar ein ganz hübſches Bild, allein, wenn man dem Vergleichungspunkt nachgeht, ſo findet man, daß das, worauf es hier eigentlich ankommt, nicht vollſtändig erkannt iſt. Er ſagt nemlich(S. 202):„Der Gang unſers Autors in dieſem Diskurſe hat das Anſehen eines Spaziergangs, wobei man nichts anders beabſichtigt, als zu gehen; wo ein kleiner Abweg nichts zu bedeuten hat, und man bald bei einer ſchönen Ausſicht ſtille ſteht, bald ſeitwärts ablenkt, um eine Blume zu pflücken oder der Kühlung eines ſchattenreichen Baumes zu genießen; wo immer der nächſte Gegenſtand, der in die Augen fällt, das Geſpräch fortführt, und man doch am Ende, ohne zu wißen wie, ſich auf einmal da befindet, wohin man wollte.“— U. ſ. w.


