Aufsatz 
Die Wurzeln fes und es mit ihren Ableitungen / von J. H. Hainebach
Entstehung
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Schwierigkeit von selbst dar. Decken und schützen, namentlich gegen die Unbilden des Wetters, soll die Wohnung wie die Kleidung. Das ist ihr wesentlicher und ursprünglicher Zweck. Sicherlich liegt diese Anschauung auch dem lat. colo und cultus zu Grunde, das so wenig von occulo kann getrennt werden als adolescens von adulescens, zumal in der ältesten Zeit occolo(S. C. de Bacch. Z. 15) geschrieben wurde. Diese Annahme, daſs colo ursprüng- lich decken, bergen*) bedeutet habe, findet, da goth. h= lat. c ist, ihre volle Bestä- tigung in dem goth. hil-an, praet. hal, bergen, decken(Grimm N. 314), das sich zu col-o verhält, wie mil-an, praet. mal, mahlen(Grimm N. 560) zu mol-o. Wie sich die Begriffe decken, kleiden, wohnen berühren, zeigt auch tec-tum, tog-a, tugurium(teg-urium, inscr. Murat. 89, 3), bei welchen dieselben Vocalübergänge erscheinen wie bei hemo, homo, humanus.

Aus dem Gesagten erhellt, wie decken, sich decken einerseits in kleiden, sich kleiden übergeht, andererseits in bergen, sich bergen, wohnen(vgl. das engl. shelter).

Noch von einem anderen Begriffe muſs ich reden, der sich im Griechischen und im Sanscrit entwickelt hat. Aus kleiden, sich kleiden ist nämlich schmücken, sich schmücken, glänzen geworden. In diesem Sinne kommt das sanscr. Wurzelverbum vas selbst noch vor (vgl. Benfey S. V. Gloſs. p. 166), und die Bildungen EA6T, vas-tar, Licht, Morgen(Lassen Anth. p. 313), II⁴ô, väs-ara, Tag, JIdd, väs-as, Licht, Tag(Rv. 34, 1), so wie S, us, das formell von vas, kleiden, nicht getrennt werden kann, weisen ebenfalls darauf hin. Auch ves-tire schlieſst bekannntlich die Bedeutung schmücken ein. Die Verwandtschaft der Begriffe kleiden und schmücken zeigt nicht minder das lat. colere und cultus, ornare und ornatus, das hebr. 52 und selbst unser deutsches kleiden, z. B. Ev. Matth. 6, 30 so denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet. Der Uebergang des transit. wchmücken i in das intransit. glänzen oder umgekehrt ist ein sehr natürlicher und gewöhnlicher. Er findet sich bei dem griech. xανισ, †εeνέ, dεlαeνεέ, ꝓd und selbst bei unserem glänzen, das mhd. zugleich glänzend machen, schmücken bedeutet(Müller's mhd. Wörterb.) und mitunter auch jetzt noch so gebraucht wird.

Die wesentlichen Begriffe, die bei der" Fes und ihren Ableitungen in Betracht kommen, theile ich nun in zwei Gruppen 1) decken, schützen, kleiden, schmücken, glänzen, 2) sich bergen, wohnen, sitzen, ruhen, ablaſsen, lalsen. Zur ersteren ziehe ich die Wörter von 8νννυιαά bis 0¼1 εοοο, zur zweiten die übrigen; éoriæx gehört beiden an, da es gleich den oben angeführten Substantiven aus dem Sanscrit und Deutschen nicht nur Wohnung, sondern auch Kleidung bedeutet, wie eine Glosse des Hes. beweistεσ⁵α, ν⁴οαας, wo y, was bei demselben immer der Fall ist, an der Stelle des F steht.

Bevor ich nun zur Behandlung der einzelnen Wörter übergehe, muls ich meine obige

Behauptung rechtfertigen, daſs die griech." Feg an und für sich decken als Grundbegriff verlange. Dieses erhellt aus dem Gebrauch des verb. 8ννυ und seiner composita, so wie

*) So läſst sich auch für colkumen und cul-men, welches eigentlich Dach, Schutz ist(vgl. teg-umen), für col-umna(vgl. al-umna act.) die Schützende, Stützende, d. i. die Säule, und eben so für coleor ein Unterkommen finden, indem man von dem Begriffe Decke, Haut, Hautfarbe ausgeht(vgl. Joσς, Toud). Auch im Sanscr. kommt

au, var-na, die Farbe, von, vri, decken. Cul-eus, griech. zoul-e6ς,o4-εꝓς gehört ebenfalls hierher. Es ist zu 0. 1 verstehen wie das erwähnte mhd. Vaz, welches sogar, wie das griech. z ν⁴νε, den Begriff Scheide einschlielst.

Denn man sagte des Degens Vaz, d. i. die Scheide. 1