Aufsatz 
Die Wurzeln fes und es mit ihren Ableitungen / von J. H. Hainebach
Entstehung
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betrachte ich das ¹ als eine Schwächung des e wie in ziero von V reu, in 10-9t, dem imper. von el*⁴α.

Merkwürdig ist Gorv und doοπσς, weil sich in ihnen das ursprüngliche æ erhalten hat, welches, wie wir gleich sehen werden, in der identischen deutschen und Sanscrit-Wurzel als solches auftritt. Einen Ueberrest dieses alterthümlichen hat uns Hesych. noch aufbewahrt in der Glosse dovy, à&*ενασε, die man nicht hätte mit einemmale pro ëεε abfertigen sollen. Auch im Lateinischen, wo der Wurzelvocal a ebenfalls in e getrübt ist, z. B. ves-tis, hat sich das ursprüngliche a in einem Worte gerettet. Dieses ist vas, eigentlich das Umhül- lende, Einschliefsende, dem Begriffe, aber nicht der Form nach, ganz dem ahd. faz, mhd. vaz entsprechend, welches von jedem Gefäſs gebraucht wird und sogar von dem Körper als Hülle der Seele, z. B. diu sele muoz rumen daz faz(Graff III, 728). So gebraucht es auch noch Luther 1 Thess. 4, 4, ein jeglicher unter euch wiſse sein Faſs zu behalten in Heiligung und Ehren. Vollkommen bestätigt wird diese Auffaſsung des lat. vas durch das derselben-¼ entsproſsene sanscr. AI-I, väs-ana, Kleid, Hülle, Gefäſs.

Um den begrifflichen Zusammenhang der vereinigten Wörter dem Verständnis näher zu bringen, ist es nothwendig, einen Blick auf die dem griechischen Feg entsprechende 7 im Sanscrit und Deutschen, wo sie sich, ich darf wohl sagen, buchstäblich wieder findet, einen Blick zu werfen. Im Sanscrit lautet sie I, vas, dessen a dem griechischen e gleich ist, und bedeutet kleiden, wohnen, bleiben, leben; im Gothischen vis-an, dessen praet. vas die ursprüngliche Gestalt der O enthält(vgl. Grimm, Gr. I, p. 558). Auch dieses bedeutet wohnen, bleiben, sein(Grimm, Gr. I, 851, 881, 962; II, 843) und das daraus abgeleitete vas-jan kleiden, sich kleiden. Die Begriffe wohnen und kleiden machen sich auch bei einer beträchtlichen Anzahl von Substantiven beider Sprachen, welche dieser angehören, geltend. Beispiele der Art sind sanscr. A-, vas-ana, AId-I, väs-ana, IIA⁴, väs-a, J&l, vas-na, welche alle vier Wohnung und Kleidung zugleich bedeuten. Eben so ist es mit dem altnordischen ver, dessen auslautendes r aus s entstanden ist(Biörn Haldorson lex.). Man vergleiche noch goth. vas-ti Kleid mit dem aus derselben Quelle gefloſsenen ahd. wis-t, Wohnung(Grimm, Gr. II, 200, 923). Auch im Lateinischen hat sich neben ves-tis ein derselben /- entsproſsenes Wort mit der Bedeutung Haus erhalten, buch- stäblich übereinstimmend mit dem eben erwähnten altn. ver und wie dieses aus ves hervorge- gangen, eine Umwandlung, welche das s dieser beiden Sprachen zwischen zwei Vocalen und im Auslaute sehr oft erfährt(Grimm, Gesch. d. d. Spr. 311; 315). Das Wort, das ich meine, ist ver in ver-na. Zunächst steht dieses für ver-gna wie pernosco für pergnosco. Jenes gna hat sein e verloren wie bi-gnae(geminae Fest.), priv-i-gnus, beni-gnus, mali-gnus(vgl. franz. bien, mal). Ver-na ist demnach für ver-gena in der Bedeutung hausgeboren, olzoyevig zu nehmen und mit indi-gena, terri-gena zusammenzuhalten. Den Compositionsvocal i konnte ver-gena eben so leicht entbehren als puer-pera.

Die nahe Verwandtschaft der Begriffe kleiden und wohnen nehmen wir auch sonst wahr. Man erwäge z. B. das lat. colo und cultus; tectum, tugurium und toga. Wahrscheinlich ist auch unser Kleid und das mhd. glet, Hütte, Haus, desselben Ursprungs(Wackern. in Haupt's Ztschr. VI, 297).

Es fragt sich nun, wie diese anscheinend so verschiedenen Begriffe in Einklang zu bringen sind. Geht man von decken als Grundbegriff aus, der, wie sich nachher zeigen wird, für die griechische é Fes an und für sich angenommen werden muſs, so bietet sich die Lösung der