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ignorantissimis ignoro. Wahrſcheinlich hat man dabei an ein dem Krinagoras gewidmetes Gedicht des Parthenius zu denken, welches dann nach einer öfters vorkommenden Sitte geradezu nach deſſen Namen benannt wurde; vgl. Meineke, Anal. Alex. p. 16.
Wann Krinagoras nach Rom gekommen, wie lange er dort geblieben ſei und wie lange er gelebt habe, darüber läßt ſich aus ſeinen Gedichten nichts Beſtimmtes entnehmen. Um 730 muß er, wie ſich aus ep. 11 ergiebt, bereits in Rom geweſen ſein. Noch etwas früher iſt vielleicht geſchrieben ep. 44 auf den Tod des Phi⸗ loſophen Philoſtratus, der im Gefolge des Antonius und der Kleopatra geweſen war und nach ihrer Beſiegung alle ſeine Habe verloren hatte; dieſes Epigramm kann jedoch vor Krinagoras Ankunft in Rom abgefaßt ſein. Da er aber bereits 730 als Günſtling der auguſtiſchen Familie ſich zu Rom befand, ſo dürfen wir wohl an⸗ nehmen, daß er einige Jahre früher dahin gekommen. Da er nun zur Zeit ſeiner Ankunft in Rom wohl nicht mehr ganz jung war, ſo können wir die Dauer ſeiner ſchriftſtelleriſchen Wirkſamkeit und ſeines Lebens ſchwerlich mehr in die Regierungszeit des Tiberius ausdehnen, wie dies von Andern geſchehen iſt; auch finden wir in den Epi⸗ grammen ſelbſt hiervon keine Spur; denn ep. 28, welches die Thaten des Germanicus in Gallien und Germanien preiſt, kann ſich eben ſo gut auf Druſus Germanicus, als auf deſſen Sohn beziehen, und die Zeit des Todes des Tyrannen Nicias von Kos, welcher ep. 34 erwähnt wird und den man gewöhnlich in Tiberius Regierungszeit verſetzt, iſt zu unbeſtimmt, als daß ſich daraus etwas ſchließen ließe.
Was den dichteriſchen Werth des Krinagoras betrifft, ſo iſt es wohl zu viel geſagt, wenn Bähr in Pauly's Realeneyklopädie u. d. W. bemerkt, daß ſeine Gedichte zum Theil von wahrhaft poetiſchem Talente zeugen; ich möchte dieß von keinem einzigen derſelben be⸗ haupten. Paſſow in einer Recenſion von Jacobs Del. epigr. in Jahn's Jahrbüchern 1827, I, 2 bezeichnet ihn als einen nicht gerade ſchlechten Dichter, was, wenn man ihn mit ſo vielen andern ver⸗ gleicht, allerdings zugegeben werden kann. Allein zu den durch Schönheit der Sprache, Wohlklang des Versmaßes und treffenden Witz ausgezeichneten Epigrammendichtern kann Krinagoras nicht ge⸗ rechnet werden; ſein Ausdruck iſt meiſt ſchwerfällig und verworren, und die Pointe, welche dem Epigramm ſeinen Hauptwerth verleiht, entweder gar nicht vorhanden oder wenig gelungen. Demnach hat Planudes, der in ſeine Anthologie verhältnißmäßig nur wenige Ge⸗ dichte des Krinagoras aufnahm, in Bezug auf dieſen Dichter einen


