Aufsatz 
Krinagoras von Mytilene : eine Abhandlung / Eduard Geist
Entstehung
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namentlich Reiske, nachgewieſen, es kann aber, wie wir im Folgenden ſehen werden, von einer noch viel größeren Zahl derſelben gezeigt werden. Aus dieſen Gedichten nun geht hervor, daß Krinagoras einer von den vielen Griechen war, welche zu jener Zeit als Philo⸗ ſophen, Rhetoren, Grammatiker, Dichter ſich nach Rom begaben, um dort als Geſellſchafter der vornehmen Römer in ziemlich ab⸗ hängiger Stellung zu leben. Ihm gelang es jedoch, ſich bei den nächſten Umgebungen und Angehörigen des Auguſtus Eingang zu verſchaffen; zwar zu Auguſtus ſelbſt, zu Tiberius und Druſus ſcheint er in keinem nähern Verhältniß geſtanden zu haben, da dieſe drei in ſeinen Gedichten zwar öfters erwähnt und geprieſen, aber nie direct angeredet werden(denn die Stelle ep. 27, 7, wo jetzt ſteht: 219 Karoao iſt verderbt und ich vermuthe, wie ich ſpäter weiter ausführen werde, daß dort Kalαeσασ νi ασσασ zu leſen ſei); dagegen ſehen wir, daß er mehreren Vertrauten des Auguſtus, namentlich aber den Weibern und Kindern in deſſen Familie ziemlich nahe ſtand und den letzteren ſich durch kleine Geſchenke von Gedichten begleitet zu empfehlen ſuchte. Auch vermuthe ich, daß er ſich mit Bücherab⸗ ſchreiben beſchäftigte, da die in ep. 14 und 15 als Geſchenk über⸗ ſandten Gedichte Früherer erſt dann ihren wahren Werth als ſol⸗ ches erhielten, wenn ſie von ihm ſelbſt abgeſchrieben waren; auf eine ſolche Beſchäftigung deutet auch vielleicht ep. 4, wo ein Schreiberohr als Geſchenk überſandt wird. Weßhalb Fabricius in der Bibl. Gr. IV, 470 den Krinagoras einen Philoſophen nennt, dafür vermag ich keinen Grund aufzufinden. Während ſeines Aufenthaltes in Rom unternahm er eine Reiſe in ſeine Heimath und kehrte dann nach längerer Abweſenheit nach Rom zurück; dieß erſieht man aus ep. 24, wo er ſeinen Freund Menippus, den bekannten Geographen, bittet, ihm zum Behuf dieſer Rückreiſe eine Beſchreibung des Weges abzu⸗ faſſen. Auf dieſe oder eine frühere Reiſe beziehe ich auch das bei Brunck fehlende Gedicht A. P. X, 24, wo V. 4 Toyei' elidirt für Toyeia auf ονν εεαοω Æmνσοσ⁴ννοοες zu beziehen und&⁴ππηααχερ nicht als Nomen proprium zu betrachten iſt:mir dem erfreuten haſt du gnädig den Hafen gewährt. Demnach dürften die von Jacobs und Meineke p. 203 gebilligten Aenderungen Huſchke's Anal. crit. p. 218 unpaſſend ſein. Auf einer ſeiner Seereiſen berührte Krinagoras auch wohl Korinth; vgl. ep. 20. Eben darauf bezieht ſich ohne Zweifel ep. 46, wo nach einer von mir bereits früher ge⸗ machten Conjectur, auf die auch Hecker comm. crit. p. 277 ge⸗ kommen iſt, ſtatt des verderbten ½Se V. 4 zu leſen iſt OEelag.