2
dem Inhalt gehörig geordnet, noch wird irgend auf das Zeitalter Rückſicht genommen, ſo daß z. B. neben einem Gedichte des Simo⸗ nides eines des Paulus Silentiarius ſteht, obgleich dieſe beiden Dichter ein Zeitraum von 1000 Jahren trennt. Die Anordnung nach Dichtern bietet zwar große Schwierigkeiten dar, theils wegen der Gleichnamigkeit ganz verſchiedener Dichter, theils wegen der Unzuverläſſigkeit der Ueberſchriften, theils endlich wegen der vielen anonymen Epigramme, die alsdann eine große, nicht unterzubringende Maſſe für ſich bilden. Allein der Verſuch einer ſolchen Anordnung ſelbſt wird nach und nach in die Dunkelheit größeres Licht bringen und jene Schwierigkeiten wenigſtens theilweiſe überwinden laſſen. Es iſt daher ſehr zu billigen, daß Meineke in ſeinem Delectus epi- grammatum zu der Anordnung nach Dichtern zurückgekehrt iſt, während Hecker in der Commentatio critica ſeine Beobachtungen an den unzuverläſſigen Faden der Ordnung des Kephalas reiht. Das Folgende nun bitte ich als einen Verſuch anzuſehen, durch die Betrachtung der Epigramme eines einzelnen Dichters für ſich das Verſtändniß deſſelben zu fördern und dabei zugleich nachzuweiſen, wie viel noch für Kritik und Erklärung der meiſten Gedichte zu thun ſei, übrigens ohne darauf Anſpruch zu machen, die Schwierigkeiten ſelbſt auf befriedigende Weiſe zu löſen. Der Dichter, welchen ich hierzu wähle, iſt Krinagoras von Mytilene. Ich werde zuerſt über denſelben im Allgemeinen reden und dann die einzelnen Gedichte deſſelben näher betrachten.
Krinagoras war nach V. 8 des Proömiums des Philippus einer von den Dichtern, welche dieſer in ſeinen Kranz aufnahm. Da nun Philippus, welcher etwa 100 n. Chr. ſeine Sammlung veran⸗ ſtaltete, nur Dichter aufnahm, die nach Meleager, deſſen Sammlung etwa 100 v. Chr. fällt, gelebt hatten, ſo muß das Leben des Kri⸗ nagoras in die Zeit zwiſchen 100 v. Chr. und 100 n. Chr. fallen. Eine beſtimmtere Angabe finden wir bei Strabo; dieſer nennt näm⸗ lich XIII, p. 918 Cas. unter den berühmten Schriftſtellern Myti⸗ lene's auch einen Krinagoras und zwar als ſeinen Zeitgenoſſen, worunter offenbar unſer Dichter zu verſtehen iſt. Demnach muß Krinagoras zur Zeit des Auguſtus gelebt haben. Hiermit ſtimmt auch der Inhalt ſeiner Gedichte überein, in welchen ſich vielfache Anſpielungen auf Perſonen und Ereigniſſe des auguſtiſchen Zeitalters finden; von einigen derſelben haben dieß bereits die Herausgeber,


