Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die Prüfung der intellectuellen und sittlichen Anlagen der Jugend, welche in öffentlichen Schulen statt finden kann / Friedrich Karl Rumpf
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2 5

den kann, ob ſie ſchneller oder langſamer ſich weiter ausbilde, und ob ſie, z. B. die Urcheilskraft, ihr Ziel raſch verfolgt, aber oft noch von der rechten Bahn ſich verirrt, oder daſſelbe mit mehr Ruhe, hingegen auch mit groͤßerer Sicherheit zu er⸗ reichen ſtrebt. Die oͤftere Vergleichung mit aͤhnlich organiſir⸗ ten Koͤpfen, ſowohl von demſelben als von reiferem Alter wozu Schulen ſo haͤnfig Gelegenheit darbieten und die ſtaͤ⸗ te Hinſicht auf das Eigenthuͤmliche jeder Krafe in der Ju⸗ gend die groͤßere Staͤrke des Gedaͤchtniſſes, die regere Kraft

der Phantaſte, die Schwaͤche und Langſamkeit des Verſtandes

2

erleichtern natuͤrlich dieſe Unterſuchung vorzuͤglich. Aber nicht bloß auf das Verhaͤltniß der Kraft des einen zu der des andern muß hier Ruͤckſicht genommen werden; ſondern das Verhaͤlt⸗ niß der verſchiedenen Kraͤfte zu einander bei dem Einzelnen verdienet dieſe Aufmerkſamkeit in einem noch hoͤheren Grade weil das hoͤchſte Ziel der Geiſtesbildung die harmoniſche Cul⸗ tur aller Kraͤfte iſt. Zwar iſt es bei vielen unmöglich dieſen großen, wuͤnſchenswerthen Zweck zu erreichen. Denn die An⸗ lagen, welche die Natur verweigert hat, z. B. eine ſchoͤpferi⸗

ſche Einbildungskraft, vermag keine menſchliche Kunſt zu erſe⸗

ten. Allein um ſchon entſcheiden zu koͤnnen, ob eine oder die andere Kraft ſo gering ſey, daß man eine gleichfoͤrmige Cul⸗

aur nie erreichen könne, muß jene Pruͤfung Staet finden;

640

und noch nothwendiger erſcheint ſie dann, wenn das Mißver⸗ dittn der Kraͤfte nicht ſo groß iſt, daß man das erwaͤhnte Ziel gerade zu aufgeben muß, ſondern es nun auf die Me⸗ thode ankommt, durch welche man ihm naͤher kommen kann. Die Mirtel aber, wodurch man dieſe Unterſuchung anſtellen rann, Fcagen, gelegenheitliche Unterredungen, Aufgaben und Uebungen von verſchiedener Art brauche ich hier wohl eben ſo wenig zu ſchildern, als die verſchiedenen Kraͤfte des Geiſtes und die Merkmahle ihrer hoͤheren oder geringeren Vollkon⸗

8* 3 men⸗

t