Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die Prüfung der intellectuellen und sittlichen Anlagen der Jugend, welche in öffentlichen Schulen statt finden kann / Friedrich Karl Rumpf
Entstehung
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Grad erhalten hat, welche hier am beſten ſich enewickeln koͤn⸗ nen, und ob alſo das Vergnuͤgen uͤber die leichte und unge⸗ hemmte Thaͤtigkeit ſeines Geiſtes, das er in dieſen Lehrſtunden empfindet, ſeine Vorliebe dafuͤr erzeugt hat, oder ob es Ne⸗ benruͤckſichten ſind, welche er durch ſeine Fortſchritte in die⸗ ſen Kenntniſſen zu erreichen hofft, etwa die größere Gewo⸗ genheit der Aeltern oder anderer ihm wichtiger Perſonen. Denn ſo wie zufaͤllige Urſachen bei einem Knaben Abneigung gegen Kenntniſſe erzeugen koͤnnen, wozu er vielleicht mehr Ta⸗ lente hat als zu andern, ſo koͤnnen ſie auch Vorliebe fuͤr Be⸗ ſchaͤftigungen in ihm erregen, bei denen die Kraͤfte, die ihm die Natur zutheilte, ſich am wenigſten entwickeln. Findet der Lehrer, daß die Zuneigung des Schaͤlers nicht auf natuͤrlichen Gruͤnden beruht, ſo wird er ſich freilich nur darauf beſchraͤn⸗ ken duͤrfen, daß er ihm unvermerkt die Dinge intereſſanter zu machen ſucht, zu welchen er mehr Beruf zu haben ſcheint, daß er die Urſachen aufſucht, welche ſeine Abneigung dagegen erzeugten, und ſie hinwegraͤumt. Zeigt ſich hingegen, daß der Knabe nur einem Wink der Natur folgt, wenn er dieſe Ge⸗ genſtaͤnde mit ganzer Seele umfaßt; ſo kann der Beobachter in ſeinem Geſchaͤft weiter ſchreiten. Es muͤſſen nun die Kraͤfte des Geiſtes, welche dieſer Einzelne beſizt noch naͤher geprüſt

werden. Denn Gedächtniß, Einbildungskraft, Verſtand,

kurz alle Kraͤfte des Geiſtes weichen in ihren Aeuſſerungen bei verſchiedenen Menſchen anf die mannigfaltigſte Weiſe von ein⸗ ander ab; und ohne Kenntniß der beſonderen Eigenheiten, wo⸗ durch eine oder die andere derſelben bei dem Einzelnen ſich qus⸗ zeichnet, kann die weitere Ausbildung derſelben nicht befördert werden. Es iſt alſo noch zu erforſchen, in welchem Umfang, welcher Staͤrke die Kraft vorhanden, welcher Ausdauerung ſie ſaͤhig iſt, wie ſie in ihrem natuͤrlichen Zuſtande wirket, wie weit ſie durch Wetteifer oderWer Triebfedern epaltirt wer⸗

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