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Die Hilfsmittel zur Beobachtung der Jugend, welche dem Lehrer einer oͤffentlichen Schule noch uͤbrig bleiben, können freilich nur dann von ihm benutzt werden, wenn er die noͤthigen Eigenſchaften zur Menſchenbeobachtung uͤberhaupt befitzt, im⸗ wer Ruckſicht nimmt auf die Taͤuſchungen, welche die Eigen⸗ heiten des jugendlichen Geiſtes leicht veranlaſſen, und eine Methode zur Pruͤſung waͤhlt, welche ſicher zu dem beſtimmten Ziele hinfuͤhren kann.— Jene Eigenſchaften nun find bekannt⸗ lich, Ruhe des Charakters, liebevolle Behandlung, Beobachtungs⸗ geiſt, theoretiſche und praktiſche Menſchenkenntniß, und ich brauche bier nichts weiter daruͤber zu erinnern. Nur das glaube ich bemerken zu duͤrfen, daß man auch noch andete Eigenſchaften von dem Lehrer fordert, Eifer, Lebhaftigkeit, Waͤrme fuͤr die Keuntniſſe, die er lehrt— denn nicht leicht wird man dem Schuͤler Intereſſe fuͤr etwas einfloßen, wenn man es ſelbſt nicht fuͤhlt— u. ſ. f., welche die Nacur mit den oben genannten nicht in einen noth⸗ wendigen Zuſammenhang gebracht hat; und daß alſo der Leh⸗ rer, wenn es ihm nicht immer gelingt die feine Graͤnzlinie, die zwiſchen denſelben nicht uͤberſchritten werden ſollte, genau zu beobachten, wohl mit Recht auf billige Beurtheilung An⸗ ſpruch machen darf. Wenn ferner der Geſchaͤftsmann im prak⸗ riſchen Leben in Beurtheilung der Menſchen, mit welchen ſeine Geſchaͤfte ihn am meiſten in Verbindung ſetzen, oder der⸗ fenigen Seite der Menſchen, von welcher ſie ihm ſich am haͤu⸗ figſten zeigen, dem gehrer ſich weit uͤberlegen fuͤhlt; ſo folgt dar⸗ aus noch nicht, daß man dem letztern alle Menſchenkenntniß abſprechen muͤſſe. Denn man kann eine gewiſſe Klaſſe, eine ge⸗ wiſſe Seite der Menſchen ſehr genau kennen, ohne deßwegen auch mit den üͤbrigen vertraut zu ſeyn; und wenn jener uͤber Aniagen, Kraͤfte und deren Ausbildung— die auſſer den Graͤn⸗ zen ſeiner Beobachtung liegen— urcheilen ſollte, ſo wuͤrde er
wabrſcheinlich ahnliche Fehlſchlaͤſſe machen als er an dieſem 35 2 je


