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die Enrwickelung und Ausbildung der Anlagen mobifteirr wird, koͤnnen gar nicht, oder nur hoͤchſt ſelten von ihm beruͤckſichti⸗ get werden. Ich rechne dahin die phyſiſche Behandlung der Jugend und die häuslichen Verhältniſſe. Der kraͤnkliche Kna⸗ he wird für unfäͤhiger, unchäͤtiger gehalten, als er wirklich iſt; der verzärtelte mag auch ſeine geiſtige Kraft nicht anſtrengen; der unter druͤckenden Verhaͤltniſſen ſeufzende iſt von Natur nicht ſo verſchloſſen als er ſcheint, unt viele wuͤrden rohe Sitten, Unarten u. ſ. w verabſchenen, wenn ſie nicht im haͤuslichen Kreiſe mit Perſonen umgehen müßten, welche durch unüber⸗ legte Erzählungen ſie dazu anreitzen oder wohl gar auffordern.— Oft iſt auch dieß ein Hinderniß der nnpartheiſſchen Wuͤrdigung der jugendlichen Fäͤhigkeiten, daß ſelbſt in der Schule, in welcher in Abſicht auf den Zweck, den man mit ihr erreichen will, keine nuͤtzliche Lehrſtunde vermißt wird, doch diejenigen Kenneniſſe nicht gelehrt werden, welche gerade die Wißbegierde dieſes Knaben reitzen, ſeine Thaͤtigkeit wecken und ſeine Faͤ⸗ higkeiten entwickeln wuͤrden. Am haͤufigſten ſindet dieſer Fall bei den Koͤpfen Statt, welchen die Natur Anlagen, vieleicht vorzügliche Anlagen für die Kunſt ertheilte. Der Knabe, der aus Schuͤchternheit, oder aus Mangel an Gelegenheit ſich mit ſeinem Lieblingsgegenſtand zu beſchäftigen, ſeine Neigung und ſeine Anlagen nicht offenbaren kann, iſt dann allerdings zu beklagen: aber welcher billige Richter wird den Lehrer verdam⸗ men, wenn zuweilen ſolche Köpfe verkannt, und gerade durch den Eiſer, womit man ſie für ihre vermeinte oder von den Ael⸗ tern angetuͤndigte Beſtimmung brauchbar machen will, mit Wi⸗ derwinen gegen Kenneniſſe erküllt werden, die ihnen auſſer dem für jetzt nur gleichguͤltig geblieben waͤren, ſie aber ſpaͤterhin noch würden angezogen haben, oder wenn ihnen dadurch eme Bicterkeie eingeſtößt wird, die ſonſt dem ſanſten Charakter auf tumer ſremd gebliehen wäre? 1 Vernunſtige Aeltern, d4s
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