Aufsatz 
Untersuchung über das privilegirte Spitzbubenhandwerk in dem alten Ägypten / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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nur uͤberhaupt gewaltſam behandelt(ro 2aohr Bals, ri Tas Xor- ), erblickt hatte, nicht zu Hilfe gekommen war. Und fehlte ihm dazu ſchlechterdings das Vermöͤgen, ſo mußte er wenig⸗ ſtens die Raͤuber anzeigen, und als Klaͤger gegen ſie auftre⸗ ten; widrigenfalls zog er die empfindliche Leibesſtrafe von ei⸗ ner beſtimmten Zahl von Geiſſelhieben und dreitaͤgigem Faſten ſich zu. Alſo nicht gewaltſam, wie beſonders aus den letzten Worten Diodors erhellet, ſondern blos liſtiger Weiſe, trieben die privilegirten Raͤuber ihr Handwerk..

Daß uͤbrigens, wie Herr Profeſſor Boß hinzuſetzt, das Privilegium der Diebe ſich nur auf diefenigen Pratrikanten dieſes Gewerbes beſchraͤnkt habe, welche ſich bei dem Vorſte⸗ her hatten einſchreiben laſſen, alſo voͤllig zuͤnftig waren, iſt kei⸗ nem Zweifel unterworfen; daß aber freilich, wie es weiter heiſ⸗ ſet, ſich die Praxis ſelbſt wohl nicht auf die Diebs⸗Innung beſchraͤnken mochte, ſondern daß es auch Boͤnhaſen oder Pfu⸗ ſcher dieſer Art gab, die dann auch auſſerhalb des Schutzes dieſer Polizei⸗Berfuͤgung waren, und den Criminal⸗Geſetzen anheim fielen, liegt gewiſſermaſſen ſchon in der Narur der Sa⸗ che, und wird noch auſſerdem durch eine Anekdote unterſtuͤtzt, die uns Herodotus* von dem Privatleben des Koͤnigs Ama⸗ ſis erzaͤhlt, Amaſis, ſagt der Geſchichtſchreiber, war vor ſei⸗ ner Thronbeſteigung ein praſſender Verſchwender, der, um ſeinen Hang zum Laſter befriedigen zu koͤnnen, ſich kein Be⸗ denken machte, zu ſtehlen, wo die Gelegenheit ſich darbot. Laͤugnete er dann gegen die Klage der Beraubten den Dieb⸗ ſtahl, ſo fuͤhrten ihn dieſe zu dem naͤchſten Orakel, wo er öͤfters fuͤr ſchuldig erkannt, oͤfrers aber auch freigeſprochen wurde. Doch woͤrde dieſe Anekdote mehr beweiſen, wenn Diodor ſie auſbewahrt haͤtte; denn bei dem Herodotus komme das von jenem angefuhrte Diebshandwert in keiner Stelle der.

nd * T. II, c. 147.