Aufsatz 
Untersuchung über das privilegirte Spitzbubenhandwerk in dem alten Ägypten / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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kannr und privilegirt wird. Die Stelle*, die uns mit der Organiſation dieſes in ſeiner Art einzigen Collegiums bekannt macht, iſt folgende.

Ueber die Diebe hatte man in Aegypten ein gar ſonder⸗ bares Geſetz. Nach demſelben mußte jeder, der dieſes Gewer⸗ be treiben wollte, bei dem Oberdiebe ſich einſchreiben laſſen, und, was er geſtohlen hatte, dieſem unverzuͤglich eingeſtehen und ausliefern; ſo wie die Beraubten eine ganz genaue, auf Ort, Tag und Stunde ſich erſtreckende Anzeige ihres Verlu⸗ ſtes bei ihm eingaben. Da auf dieſe Art alles ohne Muͤhe ſich wieder finden ließ, ſo bekam der Beſtohlene, gegen Erle⸗ gung des vierten Theils von dem Werthe, ſein Eigenthum zuruͤk. Den Diebſtahl voͤllig auszurotten, war unmoͤglich; daher erfand der Geſetzgeber dieſes Mittel, wie, vermoͤge eines geringen Loͤſegeldes, jeder zu dem Beſitze des Seinigen wieder gelangen koͤnnte.

Von den Schriftſtellern des Alterthums iſt mir keiner bekannt, der dieſes ſeltſamen Geſetzes erwaͤhnte, als Gel⸗ lius**; bei welchem indeſſen oder vielmehr ſeinem Gewaͤhrs⸗ manne, dem Rechtsgelehrten Ariſton die nicht unbedeu⸗ tende Uebertreibung ſich findet, unter den alten Aegyptern ſey jede Art des Diebſtahls erlaubt und von aller Be⸗ ſtrafung frei geweſen. Ob wirklich ſoviel aus Diodors an⸗ gefaͤhrten Worten gefolgert werden koͤnne, dieß zu unterſuchen, wird ſich weiter unten Veranlaſſung finden. Deſto haͤufiger kommt jenes Geſetz in den hierher gehoͤrenden Buͤchern neue⸗ rer Gelehrten vor; aber eigene, ſelbſtgedachte Bemerkungen dar⸗ uͤber ſucht man bei den meiſten vergebens; ſelbſt Goguet*** begnuͤgt

1 Diod. Sic. I, So init. ſich 1 N. A. XI, 18.

ern Uirſpr. der Geſetze zc. Th.II, S. 16.