Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die frühe Lektüre der Kinder / Ludwig Dieffenbach
Entstehung
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Winens nicht uͤberſpannt ſchienen; und alſo wieder mehr ſchaͤd⸗ lich als nuͤtzlich wuͤrden.

Ebenſo duͤrfte man daſſelbe auch nicht zu oft mit ſolchen Idealen zu unterhalten ſuchen, weil es dann zu leicht mer⸗ ken moͤchte, daß man abſichtlich auf es wirken wollte. Man darf nur ein wenig das Kind ſtudirt haben, um zu wiſſen, wie ſehr es ſich gegen alles ſtraͤubt, wodurch es zu einem gewiſſen Ziele ſoll gefuͤhrt werden. Es muß daher bei der Erziehung immer Grundſatz bleibenz entweder den Willen des Zoͤglings unvermerkt zu lenken, oder durch ein ſtrenges: du mußt! ihn ſo lange zum Handeln zu bringen, bis ſein eigener Wille Kraft genug hat, ſich ſelbſt dieß ſtrenge Wort zu ſagen.

Nehme ich zu allen dieſen Gruͤnden ſuͤr die Schwierigkeit, die moraliſche Bildung der Jugend durch fruhe Lektuͤre zu be⸗ foͤrdern, noch den Nachtheil, den ſie ſo offenbar fuͤr den Ver, ſtand haben kann; ſo moͤchte ich es fuͤr wahren Gewinn hal⸗ ten, in den erſten Jahren alle Buͤcher von ihr zu entfernen. Ein Kind, das ſich von fruͤher Jugend an mit Leſen beſchaͤf⸗ tigt, wird tauſend Begriffe ſchief oder gar nicht verſtehen. Selbſt der zu ſeiner Seite ſtehende Lehrer kann dieſer nachthei⸗ ligen Folge nicht immer wehren, weil es hundertmal zu ver⸗ ſtehen glaubt, wo dieß doch ganz und gar nicht der Fall iſt.

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