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gen Leuten nur die Geſchichte mancher Eroberer erzaͤhlen, um zu ſehen, ob ich hier richtig geurtheilt habe. Selbſt Maͤnner laſſen ſich ja nicht ſelten durch den blendenden Schimmer der Groͤſſe taͤuſchen!
So moͤchten alſo die Erzaͤhlungen von tugendhaften Men⸗ ſchen, die dem jugendlichen Nachahmungstrieb eine ſo herrliche Nahrung gewaäͤhren, mit deſto mehr Vortheil zu gebrauchen feyn!— Ich gebe es gerne zu; wenn dieſe Erzaͤhlungen ei⸗ nem Ideale entſprechen; aber ich fuͤrchte, man wird dieſes in den meiſten vergebens ſuchen. In einigen erhebr man eine Menge von Handlungen bis zum Himmel, und empffehlt ſie in hochtrabenden Worten dem guten Kinde zur Nachahmung, welche durchaus keine Bewunderung verdienen, weil ſie nichts mehr und niches weniger, als rechtliche Handlungen waren. Oft merkt das Kind erſt aus ſolchen Erzaͤhlungen, daß es beſſer iſt, als es bisher ſelbſt geglaubt hat, und ſeinem Herzen entſproßt nun zuerſt der ſchaͤdliche Keim der Eitelkeit.
In andern hort man nur ven belohnter Tugend ſprechen; in ihnen muſſen ſich tauſend Umſtände oft auf das ſonderbar⸗ ſte fuͤgen, damit die gute That ja tauſendfach vergolten werde. Iſt es nun ein Wunder, wenn ſich das Kind gewoͤhnt, bei jeder, auch der kleinſten Handlung ſchon die Vergeltung im
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