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des Affen auch dort anzutreffen ſey. Dieß alles ſagt man einmal uͤber das andere, und eilt ſie mit Fabelſammlungen zu verſorgen. Das wißbegierige Kind hoͤrt und ließt mit Aufo merkſamkeit; die Sprache der unbelebten Natur und der ver⸗ nunftloſen Thiere macht ihm Freude; aber vergebens arbeitet ſeine Phantaſie, ſich alles wahr zu machen. Zwar ſprach es öfters ſelbſt mit ſeinen Spielſachen, oder mit dem treuen Hund und der ſchmeichelnden Katze; aber es gab ſich auch ſelbſt die Antwort. Nun ſieht es auf einmal dieſe Dinge vernuͤnftig handeln und foͤrmliche Unterhaltungen anſpinnen. Dieß iſt ihm unerwartet, und ſeine erſte Frage iſt: aber iſt denn dieß auch wahr?— Was kann der Vater anders antwor⸗ ten, als: nein, mein Kind! dieß iſt eine Fabel. Und was iſt denn das, eine Fabel?— Hier auf zu antworten, moͤchte dem guten Vater wohl etwas ſchwerer werden. Das Kind, das bisher nur Wahrheit kannte, hoͤrt jetzt auf einmal, daß es auch Lüͤge gibt; denn dieß, und nichts anders iſt ihm die Fabel, weil es unmoͤglich noch im Stande iſt, den Unterſchied zwiſchen Luͤge und Dichtung zu faſſen. So bekommt ſeine Wahrheitsliebe den erſten empfindlichen Streich, der ihm um ſo viel unangenehmer ſeyn muß, da Kinder ſo ganz vorzuͤglich die Wahrheit lieben und alles, was ſie hoͤren oder leſen fuͤr ſolche annehmen mogen. Wer mit Kindern umgegangen iſt, wird wiſſen, daß ſie bey jeder Erzaͤhlung ſich vor allen Din⸗ gen nach der Wahrheit derſelben erkundigen.
Alſo


