Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die frühe Lektüre der Kinder / Ludwig Dieffenbach
Entstehung
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nutzlich anerkannten moͤchten wohl nicht immer den beabſich⸗ eigten Zweck erreichen, und es ſey mir daher vergoͤnnt, einige Grüͤnde meiner Behauptung etwas weiter zu entwickeln.

Vielleicht daß ich dadurch einen und den andern Erzie⸗ her vorſichtiger in der Wahl mache, die er in der Lektuͤre fuͤr ſeine Zoͤglinge trifft, und dieß allein wird hinreichend ſeyn ſie zu rechtfertigen; auch wenn ſie in den Augen manches paradox ſcheinen ſollten.

Ich bleibe vorzuͤglich bei dem wichtigſten Theil der Ju⸗ gendlektuͤre, naͤmlich bei derjenigen ſteheu, deren Zweck es iſt, die moraliſche Bildung zu beſchleunigen; und fuͤr eine ſolche wird vorzuͤglich die Fabel gehalten. Es iſt wahr, dem An⸗ ſcheine nach moͤchre man dieſe fuͤr das fruͤhe Jugendalter mehr als jeden andern Unterricht paſſend finden. Kinder denken ſich ja ohnedem alles belebt und leihen ſo gerne vernunftloſen Weſen menſchliche Empfindung. Welche tiefe Eindruͤcke muͤſ⸗ ſen alfo nicht ſprechende Baͤume und nach beſtimmten Abſich⸗ ten handelnde Thiere auf ſie machen! Wie muͤſſen ſich nicht die treffenden Sittenlehren in das zarte Herz praͤgen! Wie ſpielend koͤnnen ſie ſich nicht da mit der Menſchenwelt bekannt machen; indem die Fabel lehrt, daß die Tyrannei des Loͤwen, die liſt des Fuchſes, die Grauſamkeit des Tigers, die Thorheit

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