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Dieſes einzige Beiſpiel mag auch genug ſeyn, um zu zeigen, wie dieſer Uncerricht vorbereitend fuͤr hoͤhere Kenntniſſe werden
koͤnne. Alle dieſe Bemerkungen, uͤber den Bau der Sprache und
die wahre Bedeutung der Idiotiſmen, werden aber erſt dann recht deutlich, und der geruͤhmte Nutzen erſt dann vollkom⸗ men erreicht werden, wenn man zugleich nicht verſaͤumt, die noch wichtigern Erlaͤuterungen aus der Geſchichte, Geographie, Verfaſſung, Denkungsart des Volks, zu welchem der Schrift⸗ ſteller gehoͤrt welcher erklaͤrt wird, und uͤber ſeine individuellen Verhaͤltniſſe und Schickſale mit beizufuͤgen. Denn Sprache, Sitten und Cultur einer Nation, muͤſſen wechſelsweiſe aus ein⸗ ander erklaͤre, und koͤnnen, eins ohne das andere, nicht voll⸗
tommen verſtanden werden.
Dieſe grammatiſchen, hiſtoriſchen, antiquariſchen, mytholo⸗ giſchen Kenntniſſe, macht ſich der Schuͤler durch die kurſoriſche Lekture immer gelaͤufiger. Noch wichtiger fuͤr dieſe Abſicht iſt es, daß man ihn zum eigenen Leſen eines Schriftſtellers in der fremden Sprache aufmuntert, ihm, ſchwere Stellen aus⸗ genommen, keine fremde Beihuͤlfe dabei geſtattet, und ſich von Zeit zu Zeit Rechenſchaft uͤber den Innhalt des Geleſenen ab⸗ legen laͤßt; damit er nicht die ſchaͤdliche Gewohnheit annehme, Worte zu leſen ohne einen Sinn damit zu verbinden. Eine ſolche Lektuͤre wird den Geiſt in eine ſehr wohlthaͤtige Anſtren⸗ gung und Spannung verſetzen. Denn bei dem Leſen eines auslaͤndiſchen Schrifrſtellers in ſeiner Urſprache, muß eine doppelte Operation der Denkkraft vorgehen; die fremden Woͤr⸗ ter werden mit Woͤrtern der Mutterſprache vertauſcht, und dann erſt der eigentliche Begrif oder Satz gedacht. Geſchieht
dieß gleich bei groͤſſerer Uebung ſo ſchnell, daß ſichs der Leſende D 2 nicht


