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nicht mehr bewußt iſt, oder kann man auch behaupten daß es alsdann gar nicht mehr geſchehe: ſo bleibt doch dieß immer noch uͤbrig, daß der Leſende ſich in eine fremde Lage, unter ein fremdes Volt in Gedanken verſetzen muß, und dieß muß ohnſtreitig die Wirkſamkeit des Geiſtes erhoͤhen. Zugleich iſt dieß die beſte Voruͤbung zu gruͤndlichen Verſuchen in eigenen Erklaͤrungen, welche die Selbſithaͤtigkeit des Geiſtes am beſten anfachen, und ſo das Selbſtdenken unmittelbar anregen. Dahin rechne ich aber nicht die gewoͤhnlichen Ueberſetzungen und Vor⸗ bereitungen, wobei man ſchon zufrieden iſt, wenn nur der Sinn leichter Stellen kann angegeben werden, ohne ſtrenge Forderun⸗ gen an Geſchmack und Feinheit im Ausdruck zu machen. Treffliche Uebungen im Scharfſinn ſind ſerner, die Beurthei⸗ lung verſchiedener Leſearten, und Conjekturen uͤber fehlerhafte Stellen welche mit Gruͤnden unterſtuͤtzt werden. Noch andere Veranlaſſungen zum Selbſtdenken, welche der Sprachunterricht darbietet, ſind folgende, daß man den genauen Zuſammenhang und die Ueberſicht des ganzen durchleſenen Abſchnittes zeigen, den Plan welcher z. B. bei einer Rede zum Grunde liegt, ent⸗ werfen, oder einen ſummariſchen Auszug des Ganzen liefern laͤßt; von welchen Uebungen die letzte die Beurtheilungskraft
am meiſten ſchaͤrft, und den Geiſt eines Werks von der Ein⸗ kleidung unterſcheiden lehrt.—
Bei mehreren fremden Sprachen, in welchen man die Ju⸗ gend unterweiſer, iſt es zwar nicht gewoͤhnlich, auch das Schrei⸗ ben und Sprechen in denſelben zu uͤben; wo es aber geſchieht laͤßt ſich kein unbedeutender Gewinnſt daͤraus ziehen. Schon das Ueberſetzen in die fremde Sprache hat ſeinen groſſen Werth; es dient theils zur Wiederhohlung der ganzen Sprachlehre, und alſo auch mittelbar zur Befoͤrderung des Zwecks, welcher der Gegenſtand meiner Unterſuchung iſt; cheils lernt man dabei—
— wenn


