Aufsatz 
Beitrag zur Beantwortung der Frage: wie kann bei dem Unterricht in fremden Sprachen das Selbstdenken befördert werden? / Friedrich Karl Rumpf
Entstehung
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ſchaͤbliche Gewohnheit auch mit zur Lekruͤre der vaterlaͤndiſchen Klaſſiker nachfolgt; man uͤberſieht dadurch den genauen Zuſam⸗ menhang der einzelnen Saͤtze eines Briefs, der Theile einer Rede, der groͤſſern Abſchnitte eines philoſophiſchen Werks und ihre harmoniſche Verbindung; und erlangt vielleicht eben ſo gut dadurch, als durch das was man Sylbenſtecherei nennt, die ſonderbare Art zu leſen, daß man nicht recht weiß was man geleſen hat. Ferner verdienen die Synonymen und die verſchiedenen Nuͤancen eines Begrifs, welche dadurch bezeichner werden, die Idiotiſmen nebſt den tropiſchen Redensarten ſorg⸗ fältig erklaͤrt zu werden. Erlaͤuterungen dieſer Art, werden auch, nebſt der noͤthigen Zuruͤckweiſung auf die ſyntaktiſchen Vorſchriften und der Vergleichung der Mutterſprache, den geuͤbtern Schuͤler am beſten mit dem Geiſt der fremden Spra⸗ che vertraut machen; und wer ſo weit gefuͤhrt wird, verliert durch das Sprachſtudium ſicher nichts an der Cultur ſeines Geiſtes. Dem Geubteren laͤßt es ſich hier auch am deutlich⸗ ſten begreiflich machen, wie viele Woͤrter nur Ein Merkmahl des Objekts, das ſie ausdruͤcken ſollen, bezeichnen, und wie verſchiedene Voͤlker in der Bezeichnung dieſer Merkmahle von einander abweichen. An dieſe Bemerkung koͤnnte eine andere noch fruchtbarere leicht angereiht werden, daß nehmlich dieſe unvermeidliche Unvollkommenheit jeder Sprache, die Begriffe nicht beſtimmt mit Worten bezeichnen zu koͤnnen, vei ab⸗ ſtrakten Wahrheiten gar haͤufige Verwechſelungen der Begriffe, und dadurch Mißverſtaͤndniſſe und Streitigkeiten veranlaſſe; wie die Geſchichte der Religion und Philoſophie am auffallend⸗ ſten zeigt. Welchen Einfluß aber dieſer Satz, bei mehrern Gelegenheiten recht anſchaulich und faßlich auseinander geſetzt, auf das richtige Denken und Reden, in der Mutterſprache ſo⸗ wohl als in der fremden, und auf das leichtere Studium der höheren Wiſſenſchaften habe, brauche ich kaum zu erinnern

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