Aufsatz 
Beitrag zur Beantwortung der Frage: wie kann bei dem Unterricht in fremden Sprachen das Selbstdenken befördert werden? / Friedrich Karl Rumpf
Entstehung
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bung und Schaͤrfung der Denkkraft anpreiſen will, bedarf keiner Erinnerung..

Die Etymologie, und der dazu gehoͤrende ſogenannte mechaniſche Theil der Sprachlehre, werden immer bei der Er⸗ lernung einer fremden Sprache den Anfang machen. Weil nun der erſte Eindruck, welchen wir von einer Sache erhalten, nicht nur auf das Intereſſe, das man daran nimmt, ſondern auch auf die mehr oder minder deutliche Anſicht derſelben, ei⸗ nen bedeutenden Einfluß hat; ſo iſt bei dieſem Theil eine doppelte Sorgfalt noͤthig, theils um dem Anfaͤnger die Nei⸗ gung zur Sprache nicht im Voraus zu benehmen, theils ihm zu zeigen, worinn das, was er zu thun habe wenn er die Sprache erlernen will, beſteht, und daß ihm die Grammatik dieſes Geſchaͤft nicht erſchweren, ſondern vielmehr erleichtern ſoll. Iſt ſchon, wie es billig ſeyn ſollte, ein kurzer gramma⸗ tiſcher Unterricht in der Mutterſprache vorausgegangen, oder wird er in andern Lehrſtunden darneben ertheilt, dann iſt dieß eine leichte Muͤhe. Wo nicht, ſo muß freilich aus der Mut⸗ terſprache immer ſo viel beigebracht werden, bis eine helle An⸗ ſicht der Sache hervorgebracht wird. Bei der Flexion iſt es nicht genug, daß man nach dem Paradigma der Grammatik mehrere Beiſpiele beugen laͤßt, man muß vorzuͤglich recht deut⸗ lich zeigen, wozu eigentlich dieſer Mechaniſmus dient man muß die gute Gelegenheit, welche ſich hier darbietet, nicht un⸗ benutzt laſſen, dem Zogling zu zeigen, daß man von jedem Ding ſich gewiſſe Kennzeichen merken und daraus beſtimmen koͤnne, zu welcher Klaſſe es gehoͤrt. Je reifer an Jahren der Schuler iſt, deſto gruͤndlicher und ſruchtbarer fuͤr die Bildung des Geiſtes wird dieſer Unterricht ſeyn, aber gantz unnuͤtze iſt er auch in dieſer Hinſicht fuͤr keinen. Den Beweiß dafuͤr liefert die Analyſe. Denn da man laͤngſt daruͤber einig iſt, daß mit

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