Aufsatz 
Beitrag zur Beantwortung der Frage: wie kann bei dem Unterricht in fremden Sprachen das Selbstdenken befördert werden? / Friedrich Karl Rumpf
Entstehung
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Methode verworrene Besriffe unterhalte, und eine verkehrte Denkart befoͤrdere; warum ſollte nicht eine zweckmaͤſſige, conſe⸗ quente Methode, auch eine aͤhnliche Denkart veranlaſſen? Al⸗ ſo doch immer eine gewiſſe Nachahmung, wendet man vielleicht ein, und Nachahmen kann mir Selbſtdenken nicht beſtehen! Allein ich glaube eine ſolche Nahrung des Nachahmungs⸗ criebes kann man immer zu laſſen, oder wenn man ſie nicht dulden wollte, ſo muͤßte zugleich aller Unterricht verworfen werden. Der andere Theil des Einwurfs, das Selbſtdenken werde eben dadurch gehindert, iſt ſchon oben widerlegt, wenn das, was ich ich dort von der Verhinderung des Auktoritaͤts⸗ glaubens bemerkte, richtig iſt.

Da es, wenigſtens bei mehrern fremden Sprachen, ſchlechterdings unausfuͤhrbar waͤre, daß man dem Anfaͤnger, durch Auswendiglernen von Wöͤrtern und Redensarten und lle⸗ bung im Sprechen, eine gewiſſe Fertigkeit in der Sprache bei⸗ braͤchte, ehe man ihn zur Grammatik fuͤhrte; und da gerade dieſe Methode aͤuſſerſt wenige Fälle ausgenommen dem Nachbeten mehr, als dem eigenen Denken zutraͤglich ſeyn muß: ſo kann ich gleich mit der Grammatik anfangen, wenn ich jetzt, nach den allgemeinſten Umriſſen, die Methode entwerfe, welche mir, fuͤr die Bildung des Geiſtes und insbeſondere fuͤr die Auregung der Selbſtthaͤtigkeit, bei den einzelnen Theilen des Sprachunterrichts, die zweckmaͤſſigſte ſcheint. Daß ich hier⸗ mit weder die Grammatik uͤberhaupt, noch viel weniger einzel⸗ ne Theile derſelben, gerade als die fruchtbarſten Mittel zur Ue⸗

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Wie eine deutliche Unterweiſung in der kat. Sprache muͤſſe eingerich⸗ tet ſeyn, iſt entwickelt in A.§. Pauli Verſuch einer vollſtaͤndigen Methodologie fuͤr den geſammten Curſus der oͤffentlichen Un⸗ terweiſung in der Lat. Sprache und Litteratur. Tuͤbingen it⸗

Th. 1737. 2t. Th. 1790.