Aufsatz 
Beitrag zur Beantwortung der Frage: wie kann bei dem Unterricht in fremden Sprachen das Selbstdenken befördert werden? / Friedrich Karl Rumpf
Entstehung
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Auch dem halbgelungenen Verſuch des erſtern darf man an⸗ fangs das Lob nicht verſagen, bis er durch oͤftere Verſuche mehr Muth und Zutrauen zu ſich ſelbſt gefaßt hat; dann kann man es ſchon ſparſamer, und mehr nach dem eigentlichen Werth der Arbeit, austheilen. Oeffentliches Auftretten und Beſorgung ge⸗ wiſſer Geſchaͤfte, auf welche Zoͤglinge einen hohen Werth ſetzen, geben ebenfalls dem Schuͤchternen groͤſſeren Muth und groͤſſere Freimuͤthigkeit.

. Wie das Selbſtdenken poſitiv beim Sprachunterricht koͤn⸗ ne befördert werden? lieſſe ſich am kuͤrzeſten ſo beantworten: durch Anregung der Selbſtthaͤtigkeit, weil eigene freie Thaͤtigkeit des Geiſtes das Weſen des Selbſtdenkens ausmacht. Allein da jene ohnmoͤglich beim Sprachſtudium ſich aͤuſſern kann, wenn der Lernende kein Intereſſe an der Sprache findet(oder wenn man will, wenn er kein Beduͤrfniß fuͤhlt ſie zu lernen*); ſo muß vorher unterſucht werden, wie ſich Intereſſe oder Liebe für den Sprachunterricht erwecken laſſe? Aeuſſerſt ſchwer bleibt es zwar immer dieſes Intereſſe zu erregen, wo es nicht ſchon durch gluͤckliche, in der Denkungsart und den Verhaͤltniß⸗ ſen des vaͤterlichen Hauſſes gegruͤndete, Umſtaͤnde; durch die Beobachtung wie wenig der Vater, oder eine andere vielgel⸗ tende Perſon, dieſe Sprache entbehren koͤnne, welchen hohen Werth ſie darauf ſetzen; oder durch eine vorzuͤglich ſtarke Nei⸗ gung zu einem gewiſſen Stande, kurz, wo es nicht ſchon auf eine oder die andere Weiſe bei dem Schuͤler angefacht iſt. Auch muß man es einraͤumen, daß man dieſes Intereſſe bei Kna⸗ ben, nie bis zum Gefuͤhl des eigentlichen Beduͤrfniſſes dem maͤchtigſten Sporn aller Selbſtthaͤtigkeit wird erhoͤhen koͤnnen; weil das jugendliche Alter, nur fuͤr die Freuden und(eiden der Gegenwart empfaͤnglich, ſich ſelten durch Motive die man

. von * S. Thieme a. a. O. at. Abſchnitt.