===. 1 15
des Selbſtdenkens, der Schuͤchternheit, oder dem Mangel an Selbſtvertrauen— welches oft Urſache, zuweilen Folge des Auktoritaͤtsglaubens iſt— vorbeugen helfen. Menſchen bei wel⸗ chen dieſer Fehler einmahl herrſchend geworden iſt, werden ſich ſelten entſchlieſſen, ſelbſt uͤber etwas nachzudenken, unbekuͤmmert um die Meinung anderer, einen Gegenſtand aus ihrem eigenen Geſichtspunkt zu betrachten; oder wenn ſie dieß ja noch thun, ſich doch ſehr huͤten, ihre Gedanken und Urtheile frei zu aͤuſ⸗ ſern, und in dieſem Falle, bleibt doch immer ihre Kraft un⸗ wirkſam fuͤr die Geſellſchaft. Ob nun gleich dieſe Schuͤchtern⸗ heit bei manchen Zoͤglingen unbeſiegbar ſcheint, und der Erzie⸗ her, im engern Sinn, mehr als der Lehrer zu ihrer Hinwegraͤu⸗ mung beitragen kan; ſo bleibt das Mitwirken des letztern doch nicht ganz davon ausgeſchloſſen. Was ſich dagegen an⸗ wenden laͤßt, moͤchte etwa folgendes ſeyn: die ſtrengſte Unpar⸗ theilichkeit darf den Lehrer nie verlaſſen, und Ruͤckſichten auf den Stand, das Vermöͤgen, den Einfluß und die Familien⸗ verbindungen der Aeltern, ihn nie bewegen, einen oder einige ſeiner Schuͤler vor den uͤbrigen auszuzeichnen. Denn ſobald der Knabe, der in dieſem Punkte faſt ſo ſcharfſichtig als der Erwachſene iſt, die geringſte Partheylichkeit wahrnimmt, oder auch nur wahrzunehmen ſich einbildet; ſo iſt die ganz natuͤrli⸗ che Folge davon, daß Abneigung gegen den Lehrer und den Un⸗ terricht, und wo nicht Schuͤchternheit uͤberhaupt, doch in den Dingen bei ihm entſteht, worinn er nie ſich auszeichnen kann oder darf. Dabei kann aber gar wohl eine verſchiedene Behand⸗ lungsart jedes einzelnen, nach ſeinen individnellen Anlagen, Neigungen und Kenntniſſen, Statt finden. Dem langſamen Kopf muß ein Besgrif umſtaͤndlicher entwickelt, leichtere Fra⸗ gen ihm vorgelegt werden, als dem faͤhigern Schuͤler. So muß auch der Schuͤchterne anders gelobt und getadelt werden, als der Eitele und Ehrgeitzige, der ſich immer gerne vordraͤngt.
Auch


