‿α— rr
von allen Seiten betrachter werden, koͤnnen vielmehr den er⸗ waͤhnten Kleinigkeitsſinn verhuͤten, und den Geiſt gewoͤhnen, eine Materie im Ganzen zu uͤberſehen. Oder ſollte wohl eine ſummariſche Wiederhohlung, von dieſem oder jenem Theil der Sprachlehre, welcher vorher umſtaͤndlicher im Einzelnen erlaͤu⸗ tert wurde, oder von einem Abſchnitte eines erklaͤrten Buches, welche der Lehrer den Schuͤler machen laͤßt— nicht eine zweck⸗ maͤſſige Voruͤbung ſeyn, um in Zukunft, beim Studium der eigentlichen Wiſſenſchaften, das Syſtem, oder einen Haupttheil deſſelben, deſto beſſer und leichter uͤberſehen zu koͤnnen?
Da ich von der harmoniſchen Cultur der Seelenkraͤfte rede, und zu dieſer ohnſtreitig auch Gewandtheit des Geiſtes gehoͤrt, oder die Faͤhigkeit, ſich leicht in eine neue und fremde Lage verſe⸗ tzen zu koͤnnen, weil ohne dieſe Faͤhigkeit, Dinge, die auſſer dem Kreiſe unſerer taͤglichen Erfahrungen liegen, gar nicht richtig beurtheilt werden koͤnnen: darf ich den groſſen Vorzug, wel⸗ chen ein guter Sprachunterricht, in dieſer Hinſicht, vor den mei⸗ ſten uͤbrigen Gegenſtaͤnden des Unterrichts voraus hat, nicht unberuͤhrt laſſen. Jeder Schriftſteller eines fremden Volkes muß, vorzuͤglich wenn der Innhalt ſeiner Schrift Gegenſtaͤn⸗ de ſind, welche auf ſein Vaterland die naͤchſte Beziehung ha⸗ ben— wie bei den meiſten Griechiſchen und Römiſchen Schrift⸗ ſtellern— aus den Sitten, dem Charakter, der Verfaſſung, der Geſchichte und der Religion ſeiner Nation erklaͤrt werden; man muß, um ihn ganz zu verſtehen, ſich voͤllig in die Zeit, unter das Volk und unter die Verhaͤltniſſe verſetzen, in und unter welchen er ſchrieb. Dieß iſt freilich fuͤr Knaben unmöglich, aber reifere Juͤnglinge find doch ſchon immer, mehr oder min⸗ der, dazu faͤhig. Gibt nun der Lehrer immer dieſen richtigen Geſichtspunkt an, oder laͤßt ihn von dem Schuͤler angeben und ergaͤnzt das mangelhafte; welche beſſere Uebung, fuͤr das
— B 2 hoane


