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innere Urſachen zu deutlichen Begriffen ihn unfaͤhig machen. Dieß letzte iſt aber nicht ſo oft der Fall, als es auf den erſten Anblick ſcheint. Manchmahl laͤßt ſich das Hinderniß der deut⸗ lichen Vorſtellung auffpuͤren— und heben. Irgend ein Wort, das in einem andern Sinn genommen werden kann, und viel⸗ leicht bloß in dieſem dem Knaben bekannt, oder deſſen Bedeu⸗ tung ihm noch ganz fremde war, iſt nicht ſelten der einzige Anſtoß. Der neue Begrif darf in dieſem und aͤhnlichen
Faͤllen, nur an einen andern, ihm ſchon aus dem Kreiſe ſeiner Erfahrung bekannten, angeknuͤpft werden, und die Dunkelheit verſchwindet. Uebernimmt man dann noch die Muͤhe, den Kna⸗ ben bei jeder Gelegenheit auf das ſchon erklaͤrte zuruͤckzufuͤhren, bis es deutlich gedacht wird, und dem Gedaͤchtniß feſt eingepraͤgt iſt— weil nichis ſich leichter aus dem jugendlichen Gedächtniß wieder wegwiſcht, als abſtrakte Begriffe— ſo wird man es we⸗ nigſtens dem Sprachunterricht nicht aufbuͤrden koͤnnen, wenn
der kaͤnſtige Mann nicht hell und deutlich denket.
Wenn auf dieſe Art nicht ſowohl darauf geſeben wird, wie viel erklaͤrt oder durchgegangen wird, ſondern wie deutlich es geſchieht: dann wird auch der Nachtheil nicht leicht eintret⸗ ten koͤnnen, den man von dem Sprachunterricht befuͤrchten koͤnnte, daß die harmoniſche Cultur der Seelenkraͤfte dabei leide; daß erwa das Gedaͤchtniß auf Koſten der uͤbrigen Ver⸗ moͤgen geſchaͤrft, oder ein gewiſſer Kleinigkeitsgeiſt, wenn ich ſo reden darf, erzeugt, und der, fuͤr das zuſammenhaͤngende und ſchnelle Denken, und ſo auch mittelbar fuͤr das Selbſt⸗ denken im engeren Sinne, ſo wichtige vielumfaſſende Blick, wie man ihn nennt, erſchwert, vielleicht ganz unterdruͤckt wer⸗ de. Der Sprachunterricht und das Sprachſtudium koͤnnen al⸗ lerdings dieſe ſchaͤdlichen Wirrungen hervorbringen, wenn beide
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