Aufsatz 
Beitrag zur Beantwortung der Frage: wie kann bei dem Unterricht in fremden Sprachen das Selbstdenken befördert werden? / Friedrich Karl Rumpf
Entstehung
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ja manchmahl den zarten Keim auch ganz erſticken koͤnnen. Fuͤr den Erzieher und Lehrer der Jugend iſt es daher eine heilige Pflicht, jedes Hinderniß, das der eigenen, freien Thaͤtigkeit des Geiſtes, dem Selbſtdenken, bei ſeinen Zoͤglingen und Schuͤ⸗ lern im Wege ſteht, hinwegzuraͤumen und jeden Anlaß, der ſich ihm darbietet zu benutzen, um dieſe Kraft der Seele, wo ſie noch ſchlummert, zu wecken und, wo ſie ſich ſchon aͤuſſert, im⸗ mer mehr zu beleben. Da nun das Studium fremder, vor⸗ zuͤglich alter Sprachen, den wichtigſten Theil der Vorkenntniſ⸗ ſe ausmacht, durch welche man die Juͤnglinge fuͤr den höheren, wiſſenſchaftlichen Unterricht empfaͤnglich zu machen ſucht; ſo duͤrfte wohl die Unterſuchung wie bei dem Unterricht in fremden Sprachen das Selbſtdenken der Lernenden koͤnne be⸗ foͤrdert werden nicht uͤberfluͤſſig ſeyn. Daß indeſſen, eine voͤllig befriedigende Beantwortung dieſer Frage, meine Kraͤfte uͤberſteige, und ich dieſelbe Maͤnnern uͤberlaſſen muß, welche ei⸗ ne reifere Beurtheilungskraft, eine laͤngere Erfahrung und ein geuͤbterer Blick dazu tuͤchtig macht, bin ich mir wohl bewußt; und ich werde meine Anſpruͤche ſchon fuͤr befriedigt anſehen, wenn man nur einige der folgenden Bemerkungen nicht unge⸗ gründet findet, fuͤr einen Beweiß meiner Aufmerkſamkeit auf die Pflichten des mir gnaͤdigſt anvertrauten Lehramtes gelten laͤßt, und ſie der Veranlaſſung, welche mir die Verbindlich⸗ keit auferlegte dieſe Blaͤtter zu ſchreiben, nicht unwuͤrdig er⸗ klärt

Wenn von den Hinderniſſen und Befoͤrderungsmitteln des Selbſtdenkens, welche ich im folgenden aufzaͤhle, einige nicht unmittelbar damit zuſammenhaͤngen, oder andere nicht bloß beim Sprachunterricht ſondern auch bei andern Gegenſtaͤnden des Unterrichts eintretten: ſo wird man mir deßwegen nicht den Vorwurf machen, den Hauprpunkt meiner Unterſuchung

nicht