Aufsatz 
Einige Bemerkungen zur ältern Geschichte des Ackerbaues in Teutschland / Johann Ernst Christian Schmidt
Entstehung
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den Slaven, finden ihn in allen Dialekten ihrer Sprache, in dem Polniſchen, Boͤhmiſchen, Ruſſiſchen, Kraineriſchen und Chrwatiſchen.*) Scheint nicht hieraus zu folgen, daß der Namen pflug der ſlaviſchen Sprache ſchon damahls angehoͤrt habe, als die verſchiedenen Staͤmme, bey denen allen er ſich erbielt, noch nicht getrennt waren? Und iſt es nicht hoͤchſt wahrſcheinlich, daß die Teutſchen ſelbſt den Pflug durch daſſel⸗ be Volk kennen lernten, dem ſie den Namen abgeborgt haben? So wäͤren wir demnach, wenn dieſe Vermuthung gelten ſoll⸗ te, den Slaven wenigſtens die Kenntuiß des nützlichſten aller Wertzeuge ſchuldig! 4

Der§Flachsbau hatte ſchon zu Karls des Groſſen Zeiten ſolche Fortſchritte gemacht, daß nach dem Zeugniß eines gleich⸗ zeitigen Geſchichtsſchreibers**) große Felder an den Ufern der Donau damit bedeckt waren. Auch hier wiſſen wir nicht, wer ihn nach Teutſchland brachte. Der teutſche Namen Lein iſt nun hier freylich kein ſicherer Fuͤhrer; denn er kann eben ſowohl auf das griechiſche Aer und lateiniſche Linum zurüͤck⸗ weiſen, als wie auf das ſlaviſche Lin. Indeſſen wiſſen wir doch, daß es bis jetzt noch die Länder der Slaven ſind, die uns hauptſaͤchlich unſern Lein(aus Riga) lieſern; wir leſen, daß die Leinenweberey den alten Slaven ſchon bekannt war, und von ihnen ſtark getrieben wurde;*.*) ja wir finden, daß

die

0) Polniſch heißt der Namen: plug. Boͤhmiſch: plah. Ruſſiſch: plugbje. Kraineriſch und Chrwatiſch: plug. **) Paul. Harusfrid. de geſtis Longobard. I. I. cap. 10.

*.) Die Stellen, dle dieſes bewieſen, findet man bey giſcher am a. O. 3 4 1