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laſſen ſich Hunderte von Zeugniſſen der Geſchichtsſchreiber auf⸗ ſtellen, die ſehr ſtark und laut hierfuͤr ſprechen. Ich will da⸗ her nur die Antwort eines ſlaviſchen Königs, des Pribislaw von Brandenburg, anfuͤhren, die er einem reurſchen Biſchofe, der ihn zur chriſtlichen Religion bekehren wollte, gab.*) „ Deine Worre, verehrungswuͤrdiger Biſchof, ſagte er, ſind wohl Worte Gottes und heilſam fur uns; aber wie können wir dieſen Weg betretten, da wir von Elend uͤberhaͤuft ſind? Das Volk, das du hier ſiehſt, iſt dein Volk, und darum duͤrfen wir dir unſere Noth klagen; denn du biſt uns Mitleid ſchuldig. Unſere Furſten verſahren mit ſolcher Strenge gegen uns, daß uns wegen der Zöͤlle und der harten Knechtſchaft der Tod lieber iſt, als das Leben. Siehe in dieſem Jahre ha⸗ ben wir, die Bewohner dieſes kleinen Erdwinkels, tauſend Mart an den Herzog bezahlt, mehrere hundert an den Grafen, und ſind noch nicht frey; man ſaugt und preßt uns aus, bis zur Vernichtung. Wie haben wir noch Muſſe fuͤr dieſe neue Religion? Wie koͤnnen wir Kirchen bauen, und die Taufe an⸗ nehmen, da uns raͤglich die Flucht gedroht wird. Ja, waͤre noch ein Ort, wohin wir fliehen koͤnnten! Gehen wir uͤber die Travena, ſo iſt dort gleiches Elend; gehen wir zum Panis, ſo iſt es auch hier! Was bleibt uns uͤbrig, als die Erde zu ver⸗ laſſen, und in's Meer zu fliehen, und unter den Wogen zu wohnen? ꝛc.“ Die Antwort des Biſchofs war:»Es iſt kein Wunder, daß unſre Furſten bisher euer Volk misbraucht ha⸗ ben, ſie glaubten dadurch kein großes Verbrechen zu begehen, da ihr ja Goͤtzendiener ſeyd, und keinen Gott habt! ꝛc.“**)—
B a— Ver⸗ *) Helmold. Chron. Slauic. I, 83.
**) ungeſahr in demſelben Geiſte bigigte es Biſchof Ditmar von Mer⸗ —— ſe⸗


