n 9 Richtiger laſſen uns andere Zuͤge auf den Charakter der Slaven ſchlieſſen. Ihre Gaſtfreyheit war uͤber alle Verglei⸗ chung.*Beſtandig war bey ihnen ein Tiſch, mit Speiſe und Trank, ſör Fremde bereitet; jeder Fremde hatte hier Zutritt; die leere Schuſſel wurde ſogleich wieder mit einer vollen ver⸗ rauſcht, und alles, wenn Niemand mehr aß, mit einem rein⸗ lichen Tuche vor dem Ungeziefer bedeckt. Dies iſt die Be⸗ ſchreibung eines teutſchen Schriftſtellers,) deſſen Zeugniß al⸗ le andere wenigſtens dadurch beſtaͤttigen, daß ſie die Gaſtfrey⸗ heit der Slaven auß's glänzendſte erheben.— Unter ihnen fah man keinen Bettler.**)— Diebſtal war ihnen durchaus unbekannt; und jetzt noch ſollen Nachkoͤmmlinge von ihnen, die Kaſſuben, die Entwendung einiges Obſtes fuͤr ein ſolches Verbrechen anſehen, daß ſie es nie wagen.*4)— Selbſt ihre Vergnägungen, ihre Neigung für Geſang und Muſik, ꝛc.— werſen ein ſehr ſanftes Licht auf den Charakter der Slaven.
Traurig war aber ihr Schickſal. Ich rede nun von den flaviſchen Staͤmmen, die in dem jetzigen Teutſchland wohnten, die durch ihren Landbau die größten Wohlthaͤter deſſelben wur⸗ den. Mit der Erweiterung der fraͤnkiſchen Oberherrſchaft un⸗ ter Karl dem Großen begannen Kriege zwiſchen ihnen und den i m m man e ane d. Teut⸗
r laboris patiens, victu leuiſſfimo adſuetum,& quod noſtris gra-
ni oneri eſſe ſolet, Sclaui pro quadam voluptare deducunt. Tran-
ſeunt ſane dies plurimi his pro gloria& pro magno latoque im
pperio, illis prô Iibertate ac vltima ſeruitune Varle certantibus.
rnn *) Audreat Bambergtuſ: ap. Ludemig...*
**) Chrou. Kauic. ap. Lindeubrog. p. 202. 8 „„“) Boſchings woͤchentliche Nachrichten, V. S. 190.


