*
248 3 Der aͤlteſte teurſche Dichter, der, ſo viel wir wiſſen, Teutſchlands Vorzuͤge beſang,— Otfrid von Weiſſen⸗ burg, wagt es daher auch nicht, des Landbaues der Teuc⸗ ſchen zu erwaͤhnen.*) Tapferkeit im Kriege, Kühnheie in Feldern und Waͤldern, Wiſſenſchaften, worinn ſie ſich mit den Griechen vergleichen können, Reichthum an Kupfer, Ei⸗ ſen und Silber, das ſie aus der Erde graben,— an Golde, das ſie aus dem Sande leſen:— dies iſt's, worinn Otfrid den Ruhm ſeiner Nation ſucht. Wohl nennt er auch die Fruͤchte ihres fruchtbaren Bodens; aber weit entfernt, ſie dem Fleiſſe der Nation zuzurechnen, ſagt er vielmehr: es kommt „nicht von unſerem Verdienſt.”**). Gleich als wollte er bier ſorgfaͤltig durch dieſen Zuſatz verhindern, daß man ſeine Nation fuͤr keine ſolche halte, die Ehre im Landbaue ſuche.
Kann es daher beſremden, wenn die Geſchichte kein Bey⸗ ſpiel aufſtellt, daß man demahls den Ackerbau durch Aufmun⸗ 3 I. tes
Ais mandauit, quod nec viri ruralia opera exerceant, id eſt, nec in vinea colenda, nec in campis arando, nec in metendo, vel foenum ſecando, vel arbores caedere, vel in petris labora- re, nec domos conſtruere; nec in horto laborent, cett.
*) Otfrid Euangel. 1.. cap. 1.
**) Im Original heiſſen die Worte: niſt iz by unſern frechtin. Dies wird nun zwar gewoͤhnlich überſetzt:“es iſt nicht von unſerer Saat“; allein, wie mich duͤnkt, laͤugnet Scherz mit Rechte, baß frechtin durch Saat uͤberſetzt werden duͤrfe. Scherz uͤberſetzt es durch Verdienſt, und beſtaͤttigt auch dieſe Bedeutung durch meh⸗ rere Beyſpiele.— Nach jeder Erklärungsart dient die Stelle fuͤr
den Zweck, fuͤr welchen ich ſie hier gebrauche.


