Aufsatz 
Einige Bemerkungen zur ältern Geschichte des Ackerbaues in Teutschland / Johann Ernst Christian Schmidt
Entstehung
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Waldungen ſcheinen vermindert, der Charakter der Nation um⸗ geſchaffen. Allein durch welche Umſtaͤnde, durch welchen Ein⸗ fluß dieſe Veränderung bewirkt wurde; wer den Teutſchen vom blutigen Schwerte zum friedlichen Pfluge hinfuͤhrte: davon

ſchweigt die Geſchichte.

Eine leicht erklärbare Erſcheinung! Die Vervollkomnung des Landbaues iſt nicht das Werk gewaltſamer, auffallender Revolutionen; ſie iſt das Product eines ſtiuen, aumaͤhligen Fort⸗ ſchreitens. Sehr natuͤrlich iſt es daher, daß ihre Geſchichte

dem Auge des Annaliſten entgehet. In unſerm Vaterlande tam noch die, der Nation angeerbte Geringſchätzung des Land⸗ baues hinzu. Dieſe, nicht glänzende, nur nuͤtzende Geſchaͤf⸗ te waren faſt einzig ſolchen Menſchen uͤberlaſſen, die nicht als Perſonen, ſondern als Sachen, welche ſich ſelbſt bewegen,(Res ſeſe mounentes) betrachtet wurden. Mußten dieſe nicht ganz unter dem Geſichtskreiſe des Geſchichtsſchreibers liegen? und mit ihnen die Geſchichte des Ackerbaues?

Karl der Große ſpricht daher auch nur ſehr geringſcha⸗ tend von den Geſchaͤften des Landbaues. Das Bearbeiten der Weinberge, Pfluͤgen der Felder, Einaͤrnten des Getraides, Maͤhen des Heues, Anbauen der Gaͤrten, ꝛc. ſind nach ſeinen Geſetzen Stlavenarbeiten.*) Wie nachtheilig fuͤr den Land⸗ bau, wenn ſich der edle und freye Teutſche durch ſolche Arbei⸗ ten zum Skladen erniedrigt glaubte! d

Der

*) Cupirolare I. a. 789. c. 79.(Balaz. Tom. I. p. 240.) Statuimus quoqpue vt opera feruilia diebus dominicis non agantur,

ücut& bonae memoriae Penitor meus in ſuis Enodalibus edi- * ctis