Aufsatz 
Einige Bemerkungen zur ältern Geschichte des Ackerbaues in Teutschland / Johann Ernst Christian Schmidt
Entstehung
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terungen, durch oͤffentliche Anſtalten, oder nur durch bewieſe⸗ ne Aufmerkſamkeit, emporzubringen ſuchte? Wenn man fin⸗ der, daß Regenten, die ſich um Handel und ſtädtiſche Gewer⸗ be, unſterbliche Verdienſte erwarben, dennoch den Ackerbau uͤberſahen? Blos ſich ſelbſt uͤberlaſſen naͤherte ſich der Landbau dem ungeachtet der Vollkommenheit, und die duͤſtern Waͤlder, wo ſonſt nur Jaͤger, Krieger und Raͤuber lauerten, wurden in lachende Saatſelder umgeſchaffen, wo friedſame Bauern ſich der Fruͤchte ihres Schweiſes erfreuten. Das Beduͤrfniß er⸗ zwang freylich hauptſaͤchlich dieſe Veraͤnderung. Auch der Edle, und ſelbſt der Regent, lebte blos vom Ertrag ſeiner Billen oder Meyerhoͤfe. Und die Vereinigung der teutſchen Staͤm⸗ me unter einem Oberherrn, welche an die Stelle der Strei⸗ fereyen gegen Nachbaren jetzt nur Kriegszüͤge gegen auswaͤrrige Na⸗ tionen ſetzte, verſtopfte dadurch eine der reichſten Nahrungs⸗ quellen, und noͤthigte folglich eine andere, in dem Landban, zu eröffnen. Auch das Chriſtenthum trug ſehr viel hierzu bey. Nicht blos, weil es den wilden Charakter der Nation zaͤhmte und dieſelbe ſittlicher machte: ſondern beſonders auch, weil es den vielen Kloͤſtern das Daſeyn gab. Nicht blos die Beſtim⸗ mung des Moͤnchs fuhrte ihn in die Einſamkeit und foderte, daß er ſich, ſo viel als moͤglich, aus aller Verbindung mit den Menſchen zuruͤckziehe, und ſich ſelbſt zu genügen ſuche. Die Ordensregel des h. Benedictus, die einzige, die damahls das Abendland hatte, legte ihm auch noch beſonders die Be⸗ ſchäftigung mit Feldarbeit auf.*) Doch es ſcheint ein benach⸗ bartes Bolk geweſen zu ſeyn, von welchem Teutſchland den Ackerbau zuerſt erlernte, und durch welches derſelbe eigentlich zu ſeiner Vollkommenheit gebracht wurde, die Slaven. 4 Dieſes *) Alrſerrae Aſcetieon, L. V. cap. 9. Siſchers Geſchichte des teut⸗

ſchen Haudels, Th. 1. S. 67. u. 432, 4