Aufsatz 
Probe einer neuen Übersetzung von Terenzens Lustspielen / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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20.

ſonſt ſo guter Vater nun auf einmal der ſtrengſte von allen geworden iſt; und das blos durch ſeine Schuld.

P. Aber, beſter Herr Oncle, er hat ja nichts gethan, wor⸗ uͤber Sie ungehalten ſeyn koͤnnten.

D. Sieh doch, wie gut ſich die zuſammen verſtehen, wie ſie 5 in ein Horn blaſen? kennt man Einen, kennt man

e. P. Nicht doch, Herr Onctle.

D. Thut der Eine was Böſes, ſo iſt der Andre ſein Vor⸗ ſprecher; macht dieſer Haͤndel, ſo vertritt ihn Jener; Ei⸗ ner loͤßt den Andern ab.

G. Der Alte hat, ohne es zu wiſſen, das ganze Benehmen der Burſche nach der Natur gezeichnet.

D. Waͤre das nicht, Phaͤdria, dann wuͤrdeſt du nicht ſo bey ihm halten.

P. Lieber Herr Oncle, wenn es an dem iſt, daß Antipho ſich was zu Schulden hat kommen laſſen, etwa dadurch, daß er auf Vermögen oder guten Ruf nicht achtete, ſo ſprech' ich kein Wort, die verdiente Strafe von ihm abzu⸗ wenden. Hat aber vielleicht ein geübter Chicaneur uns ar⸗ men jungen Leuten Schlingen gelegt, worin wir haͤngen blie⸗ ben; wer hat da eigentlich die Schuld, wir? oder die Rich⸗ ter? Man weiß ja, wie dieſe Herrn es öͤfters machen. Aus Neid nehmen ſie es dem Reichen, und geben es aus Mit⸗

leid dem Armen.

G. Wuͤßt' ich den Handel nicht, ich wuͤrde glauben, der ſa te die Wahtbeit.. lunsen, der has

D. Aber wo in aller Welt iſt der Richter, der deine(*) Ge⸗

recht⸗

(*) Den Ausdruck Gerechtſame fuͤr juſta hab' ich nicht ohne Vorbe dacht gewaͤhlt. Donat ſagt: Diſerte ht& ahſolutc, Tua r:

quam fi aliter diceret.