Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die Vortheile, welche die Erlernung der alten Sprachen der wissenschaftlichen Ausbildung des Geistes verschaffen / Johann Georg Friedrich Leun
Entstehung
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har man dieſe Sprachen aus andern Urſachen nöthig, und die Lekeuͤre ihrer Schriften bietet uns ſovieles dar, das ſich auf unſre Sitten und Zeiten anwenden laͤßt, und welches man von den Schriften der Griechen und Roͤmer nicht eben ſo be⸗ haupten kann. Wer im Ernſte behaupten wollte, daß man die neuern Sprachen zur wiſſenſchaftlichen Vorbereitung mit eben dem Vorcheil, als die alten Sprachen brauchen koͤnnte, der duͤrfte der Sache wohl noch nicht recht gruͤndlich nachgedache haben. Das ganz abgerechnet, daß vielleicht manche franzoͤſi⸗ ſche und engliſche Schriften, wie vortreflich ſie uͤbrigens ſeyn moͤgen, wegen der groͤſſern Uebereinkunft mit unſrer Verfaſ⸗ ſung, unſern Sitten und Denkungsart iungen Leuten manch⸗ mahl weniger neu und alſo auch weniger anziehend vorkommen duͤrften, muß man bedenken, daß uͤberhaupt in lebenden Spra⸗ chen alles gar zu ſehr der Veraͤnderung unterworfen iſt, und keine feſtgeſetzte Sprachregeln noch vorhanden ſind. Wie laſ⸗ ſen ſich dieſe zu den vorzuͤglichſten Muſtern des Geſchmacks in den redenden Kuͤnſten machen, da dieſer nur gar zu ſehr eine Sache des ſteten Wechſels iſt, da Ausdruͤcke, die itzt edel ſind, zu einer andern Zeit wieder platt, ganz gewoͤhnliche veralter und neugeſchafne in einen nur kurz dauernden Umlauf gebracht werden. Die Grammarik derienigen Sprache, welche zur Bil⸗ dung des Verſtandes und des Geſchmacks gebraucht werden ſoll, muß bereits ihre unveränderliche Regeln erhalten haben, und keinem weitern muthwilligen Wechſel der Mode unterwor⸗ ſen ſeyn. Daher glaube ich, daß zu dem mehrmahls erwähn⸗ ten ungemein wichtigen Behuf eine tode und gelehrte Sprache

noͤthig ſey, worinn ſchon alles feſtgeſetzt iſt, und die Sprache

wie ſie in ihrem beſten Zeitalter war, auch ſtets klaſſiſch bleibt.

Da die neuern noch lebende Sprachen dem Gelehrten in mehr als einer Ruͤckſicht noͤthig ſind, ſo darf man's auch aus einem noch andern Grunde nun nicht für unnoͤchig halten, daß

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