Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die Vortheile, welche die Erlernung der alten Sprachen der wissenschaftlichen Ausbildung des Geistes verschaffen / Johann Georg Friedrich Leun
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5 5‿

des zu einer Richtigkeit im Sprachſtudium gebracht werden ſol⸗ len, und welche Methode, die ihrer Faſſungskraft angemeſſen waͤre, man einſchlagen wollte, um ihnen den gehoͤrigen Sinn der Worte und Redensarten begreiflich zu machen und ſie zu der noͤthigen Beſtimmung des Wortverſtandes zu gewoͤhnen, welches itzt allmaͤhlig durch Nebeneinanderhaltung der auslaͤndi⸗ ſchen Sprache mit der des Landes bequem geſchehen kann. Eben dadurch wird auch am fuͤglichſten die deutſche Sprache bey uns gelernt: durch nichts gewinnt ſie wohl ſo ſehr, als durch ge⸗ ſchickte Vergleichung mit der griechiſchen und roͤmiſchen, indem der Juͤngling gewoͤhnt wird, richtig nach dem Genius der Mur⸗ terſprache zu uͤberſetzen. Es kann dadurch manches, was ſich auf deutſchen Boden aus ienen toden Sprachen verpflanzen laͤſt, als wahrer Gewinn zu uns uͤbergebracht werden, ſo wie unſre Sprache dadurch uüberhaupt immer mehr Vollkommenheit erhalten kann So wie ſich der deutſche Geſchmack durch die Alten vorzuͤglich gebildet hat, ſo ſollte er durch ſie noch itzt bey iedem einzelnen gebildet werden. Man denke nur hier⸗ uͤber nach, und man wird ſich alsdann bald uͤberzeugen, daß es die herrlichſte Beſchaͤftigung des Geiſtes ſey, beyde Sprachen, die eine ans dem Alterthum, und die andere unſere Mutter⸗ ſprache mit einander zu vergleichen und das ſich unterſcheiden⸗ de in beyden recht einſehen zu lernen. Statt alſo zu glauben und mich uͤberreden zu laſſen, die Erlernung der Mutterſprache werde uͤber dem Fleiſſe, den man an ausgeſtorbene wendet, ver⸗ abſaͤumt, bin ich vielmehr überzeugt, daß, wenn dieſe recht ge⸗ trieben werden, die Landesſprache auſſerordentlich viel gewinnen muͤſſe.

Aber ſind nicht vielleicht die itzigen lebenden Sprachen, inſonderheit die franzoͤſiſche und engliſche, wenn doch einmahl eine auswaͤrtige Sprache zur Bildung des Geiſtes auſſer der Mutterſprache gelernt werden ſoll, weit tauglicher? Ohnediee