Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die Vortheile, welche die Erlernung der alten Sprachen der wissenschaftlichen Ausbildung des Geistes verschaffen / Johann Georg Friedrich Leun
Entstehung
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das Gedaͤchtniß der Worte bedarf, um einzelne ſinnliche Vor⸗ ſtellungen aufzubewahren. Eine Sprache, es ſey nun welche es wolle, die Mutterſprache, oder eine, oder mehrere auslaͤn⸗ diſche Sprachen recht gruͤndlich lernen, heiſt alſo, darf ich wohl ſagen, eben ſoviel als richtig denken lernen. Man erwaͤge doch, daß, wer eine Sprache grundlich erlernt, ſich gewiß nichr nur, wie dieienige meinen, die ſich aus Unkunde die ganze Philolo⸗ gie als Gedaͤchtnißkram ſo irrig denken, mit bloſſen Toͤnen und ihrer Verbindung beſchaͤftigt, ſondern ſich um genau beſtimmte Begriffe der darinn vorkommenden Worte bemuͤhet, und Wor⸗ te, welche der Bedeutung nach ſehr genau an einander gren⸗ zen und bey dem erſten Anblick ein und denſelben Begrif aus⸗ zudruͤcken ſcheinen, nach ihren feinſten Unterſchieden von ein⸗ ander abzuſondern ſich bemuͤhet; das naͤhmliche, was der Ge⸗ lehrte in allen Wiſſenſchaften mit der groͤßten Sor gfalt zu thun hat. Ich ſage nun nicht, daß dieſes iunge Leute ſchon auf Schulen mit philoſophiſchem Geiſte thun ſollen, ſondern ver⸗ lange nur, daß, ſobald ihr Verſtand zu reifen anfaͤngt, ſie dazu angefuͤhrt und allmaͤhlig an dieſe Are zu denken gewoͤhnt werden ſollen. Und daß dieſes allerdings, wenn nur der Leh⸗ rer die Geſchicklichkeit dazu beſitzt, in einem hoͤhern Grade, als ſich's manche vorſtellen moͤgen, geſchehen koͤnne, daran zweifle ich nicht einen Augenblick. Noch weiter beſchaͤftigt ſich wer ſeine Sprache recht gruͤndlich lernt, bekanntlich damit, die Be⸗ ziehung der einzelnen Worte recht einzuſehen; heißt das aber nicht eigentlich ſoviel, als die Beziehung und Verbindung der Begriffe ſich recht deutlich vorſtellen zu lernen? Die Sprache lehrt ferner, alle Theile derſelben in einer fortgeſetzten Rede ge⸗ hoͤrig auf einander folgen zu laſſen, und ſie gefaͤllig und wirk⸗ ſam anzuordnen. Traͤgt das alles nicht auſſerordentlich viel zur wiſſenſchaftlichen Bildung bey? Oder, daß ich recht ſage, iſt das nicht die unentbehrlichſte Vorbereirung zu den Wiſſenſchaſ⸗

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