Aufsatz 
Einige Bemerkungen über eine Stelle aus Cicero's tusculanischen Untersuchungen, im I. Buche, 29. Cap / Friedrich Wilhelm Daniel Snell
Entstehung
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auch damahls ſchon dieſe zu weit getriebene Speculation ſehr . aeche zur ls ſcorhadhs und Beſtaͤrkung dieſes wien ſehe beigetragen haben wuͤrde, wenn nicht ſtaͤrkere Gruͤnde von an⸗ derer Art die Wahrheit von der Unſterblichkeit der Seele uͤber allen Zweifel erhoben haͤtten.

6. Und welches war der vorzuͤglichſte Uiberzeugungsgrund von der Unſterblichkeit, welcher zu allen Zeiten, und unter al⸗ len Voͤlkern dieſe Wahrheit ſo einleuchtend und gewis gemacht hat? Dieſe Frage verdient hier noch kürzlich beantwortet zu wer⸗

den.. Derſelbige liegt nicht in den ſpeculativen, und unfrucht⸗ baren Unterſuchungen uͤber die Beſchaffenheit unſerer Seele. Jeder unpartheiiſche und aufmerkſame Leſer dieſer ſpeculativen Betrachtungen des Cicero wird ſich leicht uͤberzeugen, daß da⸗ durch die Entſcheidung einer Frage, welche ſo ganz auſſer dem Gebiete der menſchlichen Erkenntnis liegt, nemlich von welcher Natur die Seele ſey, um nichts naͤher gebracht worden iſt. Andere ſpaͤtere Verſuche, die eigentliche Natur der Seele zu beſtimmen, muſten eben ſo fruchtlos bleiben, und die Menſchen bedurften derſelben auch gar nicht, um zur voͤlligen Gewisheit von der Unſterblichkeit zu gelangen, weil ſie in ihrer eigenen mora⸗ liſchen Vernunft den vortreflichſten, einleuchtendſten und ſicher⸗ ſten Beweis von einer immerwaͤhrenden Fortdauer der Seele finden. Dieſer Beweis beruhet auf folgenden Punkten: SESs iſt ein unnachlaßliches Gebott unſerer praktiſchen Ver⸗ nunft, daß wir unſern Lebenswandel genau nach dem morali⸗ C3. ſchen

(*) Cine weitere Darſtellung und Erlaͤuterung dieſer und anderer dazu

gehoͤriger Materien befindet ſich in meiner, kuͤrzlich herausgegebe⸗

nen, Schrift, welche den Titel hat: Menon, oder Verſuch in

Geſproͤchen, die vornehmſten Punkte aus der. Kritik der prak⸗

iſchen Vernunft des Berrn Profeſſor Kant zu erlaͤutern. Mann⸗ heim 1789.