Aufsatz 
Einige Bemerkungen über eine Stelle aus Cicero's tusculanischen Untersuchungen, im I. Buche, 29. Cap / Friedrich Wilhelm Daniel Snell
Entstehung
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Deutlicher konnte er ſich wohl nicht daruͤber erklaͤren, als wenn er fuͤr eine unbezweifelte Wahrheit annimt, daß in der Seele nihil admixtum, nihil concretum, nihil copulatum, nihil co- agmentatum, nihil duplex ſey. 3

5. Und hierauf bauet er einen, ſeiner Meinung nach vor⸗ zuͤglich ſtarken Beweis von der Unſterblichkeit der Seele. Quod ceum ita ſit, certe nec fecerni, nec diuidi, nec diſcerpi, nec diſtrahi poteſt, nec interire igitur,&. Wenn wir dem Gang ſeiner Ideen uͤber dieſen Punkt erwas weiter nachſpuͤren, ſo wuͤrde derſelbige etwa folgender geweſen ſeyn. Alle ſicht⸗ * bare Koͤrper, und alſo auch der Köoͤrper des Menſchen ſind aus Theilen von mancherlei Art, waͤſſerichten, erdichten u. ſ. w. zu⸗ ſammengeſezt. Wenn ſich dieſe Theile trennen, ſo werden die⸗ ſe Koͤrper zerſtoͤhrt; und ſo ſehen wir auch, daß der menſchliche Körper nur durch Auflöſung ſeiner Theile in Verweſung uͤberge⸗ her. Aber die Seele iſt ein unſichtbares, aus einem aͤuſ⸗ ferſt feinen Stoffe gebildetes Weſen, und zwar aus einem Stoffe von einerlei Art, der nicht aus verſchiedenen Theilen beſtehet. Alſo kann die Seele nicht ſo, wie der Koͤrper im To⸗ de durch Auflöͤſung zerſtoͤhrt werden, ſondern bleibt nach der Trennung vom Koͤrper das was ſie iſt, und iſt alſo unſterb⸗ lich.*.

Daß in dieſem Beweiſe verſchiedene Widerſpruͤche vorkom⸗ men, iſt offenbar genug. Die Seele ſoll ein ausgedehntes We⸗ ſen ſeyn, und doch nicht gerheilt werden koͤnnen? ſie ſoll ein feines materielles Weſen ſeyn, und doch nicht wie andere Koͤrper zerſtohrt werden koͤnnen? Doch wir koͤnnen dieſe fruͤhern Widerſpruͤche der Speculation leicht uͤberſehen, da ſie ohnehin keinen gefaͤhrlichen Einſtus auf den Glauben an Un⸗ ſterblichkeit haben konnten, ſo lange man ſie noch nicht entdett hatte. Indeſſen iſt doch, wie es ſcheint, ſo viel gewis, 4