== 15
3. Indeſſen war es in jenen Zeiten, wo man dieſe Wahrheie noch nicht einſah, nicht anders zu erwarren, als daß man ſich das unbekannte Subiekt der Gedanken unter einem mehr oder weniger feinen ſinnlichen Schema dachte, und hierdurch einen deutlichen Begriff davon erhalten zu haben glaubte. Denn erſtlich kann ſich der Menſch kein Obiekt, das auſſer ihm befindlich iſt, anſchaulich vorſtellen, ohne es zugleich ausgedehnt, oder im Raume zu denken, weil der Raum eine nothwendige ſub⸗ jektive Bedingung a priori aller Anſchauungen der aͤuſſern Sinn⸗ lichkeit fuͤr den Menſchen iſt. Da man ferner uüͤberzeugt war, daß die Seele ein vom Körper verſchiedenes Weſen ſey, daß ſie nach dem Tode ſich von demſelbigen trenne, u. ſ. w.; ſo war der Irrthum ſehr verzeihlich, daß man in ienen fruͤhern Zeiten, wo man den Uneerſchied zwiſchen ſinnlichen und nicht⸗ ſinnlichen Weſen noch gar nicht kannte, ſich die Seele als ei⸗ nen feineren Köoͤrper vorſtellte. In ienen Zeiten, wo man noch zu ſehr gewohnt war, ſich alles unſichtbare unter einem ſichtbaren Bilde darzuſtellen, wuͤrde die Forderung, daß man das unbekannte denkende Subiekt, die Seele, ſich in keinem Stuͤk mit Weſen aus der Koͤrperwelt aͤhnlich denken muͤſſe, entweder voͤllig unverſtaͤndlich geblieben ſeyn, oder man wuͤrde gar geglaubt haben, daß dadurch zugleich das Daſeyn der See⸗ le aufgehoben werden muͤſte. So lange mau alſo eine bildliche Vorſiellung von derſelben fuͤr nothwendig hielt, war kein an⸗ derer Weg uͤbrig, als ſie ausgedehnt und toͤrperlich zu denken. So unrichtig auch dieſe Vorſtellungsart von der Seele war, weil ſie ein Weſen iſt, das auf keine Weiſe als Obiekt der aͤuſſern Anſchauung wahrgenommen werden kann: ſo allge⸗ mein war ſie dennoch lange Zeit als die richtige angenommen worden.— Es wird, wie ich glaube, nicht uͤberfluͤſſig ſeyn, wenn ich zuerſt kurz zu⸗ zeigen verſuche, wie dieſes ſinnliche Schema von der Seele im allgemeinen bei dem groſſen Hauſen
beſchaf⸗


