Aufsatz 
Einige Bemerkungen über eine Stelle aus Cicero's tusculanischen Untersuchungen, im I. Buche, 29. Cap / Friedrich Wilhelm Daniel Snell
Entstehung
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Tερ‿αρνεφ αασρν

ſo weit wir die Eigenſchaften der Seele durch die Erfahrun⸗ gen des innern Sinnes kennen, nie dadurch in den Stand geſezt werden, nur das geringſte von ihrer eigentlichen Beſchaf⸗ heit, als eines Weſens an ſich, auszuforſchen; da ſie ferner ganz und gar kein Obiekt der aͤuſſern ſinnlichen Anſchauung iſt, wodurch wir die Körperwelt kennen lernen: ſo iſt es vergeb⸗ lich, wenn wir uns eine richeige Vorſtellung von ihrer eigent⸗ llchen Natur zu machen gedenken, indem wir ſie nur unter ſolchen Merkmahlen denken, welche wir von Gegenſtaͤnden der aͤuſſern Sinnlichkeit abſtrahirt haben. Weil die Seele, als Ding an ſich, kein Gegenſtand der ſinnlichen Erfahrung iſt: ſo koͤnnen wir auch nie die Frage beantworten, was die eigent⸗ liche Natur derſelbigen ſey. Alle Vorſtellungen uͤber dieſen

unkt muſten deswegen von ieher nicht nur nach dem eigenen

deengang iedes Erklaͤrers unendlich verſchieden, und unter ſich widerſprechend, ſondern auch alle unrichtig ſeyn, weil ſich die Speculation hier in ein Feld wagt, welches fuͤr ſie gaͤnz⸗ lich unbekannt iſt, und bleiben muß.

Der Hauptpunkt, worauf es bei der Frage uͤber unſer geiſtiges Weſen allein ankommt, und welchen ſchon die gemei⸗ ne Menſchenvernunft entſcheidet, nemlich daß die Seele ein eigenes, nicht koͤrperliches Weſen ſey, bedarf zu ſeiner Recht⸗ fertigung keiner tiefen Speculation. Aber ſo bald man ſich da⸗ von entfernt, und zu zeigen verſucht, worin dieſes Weſen be⸗ ſtehe, ſo verfaͤlt man in den unvermeidlichen Irrthum, ein nichtſinnliches Weſen unter lauter Praͤdicaten zu denten, die doch aus der ſinnlichen Welt genommen ſind. Man uͤbernimt daher eine Arbeit, die nicht nur gaͤnzlich unfruchtbar iſt, ſon⸗ dern auch leicht wieder zu der irrigen Vorſtellung verleitet, welche man anfangs vermeiden wollte, nemlich daß die Seele dennoch unter einem ſinnlichen Bilde dargeſtellt werden Euner

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