Aufsatz 
Einige Bemerkungen über eine Stelle aus Cicero's tusculanischen Untersuchungen, im I. Buche, 29. Cap / Friedrich Wilhelm Daniel Snell
Entstehung
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weniger wuſte man ſich uͤber den Punke zu vereinigen, was die nen liche Natur und Beſchaffenheit dieſes Weſens ſey.

Daß auf die Beantwortung dieſer Frage die verſchiedenen Syſteme der Philoſophen von Entſtehung der Welt, von dem erſten Principium aller Bewegung und Thaͤtigkeit, von der Weltſeele, von dem Unterſchiede des Denkens und Empfin⸗ dens in unſerer Seele, u. d. g. groſſen Einſius hatten, iſt wohl keinem Zweifel unterworfen. Ein neuerer Schriſtſteller, welcher mit ſehr gruͤndlicher Kenntnis der aͤltern Philoſophie zugleich die tiefſten Einſichten in die critiſche Philoſophie un⸗ ſers Zeitalters verbindet,(*) hat vortreflich gezeigt, daß die Mißverſtaͤndniſſe, welche bei den obengenannten Unterſuchun⸗ gen nothwendig. entſtehen muſten, auch zu den vielen Mißver⸗ ſtaͤndniſſen in der Vorſtellung von der Natur der Seele die meiſte Gelegenheit gegeben haben. Hieraus wird es begreiflich, wie die ſcharfſinnigſten Maͤnner des Alterthums ſo oft auf die ungereimteſten Vorſtellungen von der Seele gerathen konnten: da es deſto weniger zu erwarten war, daß ſie das Irrige in denſelben entdekken ſollten, ie weiter ſie davon entfernt waren, zu ahnden, daß alle dieſe Irrthuͤmer in den Vorſtellungen von der Natur der Seele aus einer Hauptquelle gefloſſen waren.

Dieſe Hauptquelle von Irrthuͤmern, welche zuerſt in der Critik der reinen Vernunft entdekt worden iſt, beſtand in der falſchen Vorausſezzung, daß die Seele unter dieienigen Dinge gehoͤre, deren Beſchaffenheit der Menſch ſo wie an den Obiekten der aͤuſſern Ahſchazung erkennen koͤnnte. Da wie⸗

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* err Rath Reinhold, in ſeinen Briefen uͤber die Kantiſch 2

1erdie ha welchen ich verſchiedene Ideen von der eſche Pbi⸗

des philoſophiſchen Vernunftbegriffs zu meiner gegenwaͤrtigen Ab⸗ ſicht genuzt habe.