Aufsatz 
Einige Bemerkungen über eine Stelle aus Cicero's tusculanischen Untersuchungen, im I. Buche, 29. Cap / Friedrich Wilhelm Daniel Snell
Entstehung
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2. Aber es iſt dem menſchlichen Forſchungsgeiſte eigen daß er nicht bei den allgemeinen und unbezweifelten Ausſpruͤchen des Menſchenverſtandes ſtehen bleibt, ſondern die Gruͤnde von dieſen Ausſpruͤchen weiter zu verfolgen ſucht, um wo moͤglich ſeine Uiberzeugung auf deutliche Principien zuruͤck zu fuͤhren. Und dieſes war auch der Fall bei der Unterſcheidung von Seele und Koͤrper: es war nicht genug, daß man dieſelbi⸗ ge als gewis anſehen konnte, man wollte auch wiſſen, worin das Weſen der Seele und des Koͤrpers verſchieden waͤre. In quo igitur loco eſt? Quae eſt ei natura? Dieſe Fragen, velche Cicero mit Recht fuͤr unwichtig erklaͤrt, wenn man dar⸗ aus Beſtaͤtigungen oder Widerlegungen der eigenen und unkoͤr⸗ perlichen Natur der Seele herleiten will, wurden dennoch als ſehr wichtig behandelt, und gaben zu den manigfaltigſten Be⸗ griffen von der Seele Anlas. Er führt ſelbſt(cap. 9. 10.) viele dieſer Meinungen an: quid ſt porro ipſe animus, aut vbi, aut vnde, magna diſfenſio eſt. Aliis cor ipſum animus videtur. Empedocles animum eſſe cenſet cordi fuffafum fan- guinem. Aliis pars quaedam cerebri viſa eſt animi prin- cipatum tenere. Zenoni ſtoico animus ignis videtur Xenocrates animi figuram& quaſi corpus, negauit eſſe: ve- rum numerum dixit eſſe,&. Mehrere Beyſpiele finden ſich im 17ten Capitel.

Es wuͤrde nicht zu meinem gegenwaͤrtigen Zwelke geho⸗ ren, wenn ich mehrere Meinungen der aͤltern Weltweiſen uͤber die Natur der Seele anfuͤhren wollte, da dieſelbige ſich, bald nachdem man angefangen(hatte, über dieſen Punte Unterſu⸗ chungen anzuſtellen, auſſerordentlich vervielfaͤltigten. Darin kam man faſt durchgehends uͤberein, daß die Seele ein eigenes, vom groͤbern Köoͤrper ſehr verſchiedenes Weſen ſey: aber deſto

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