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werden auch ſchon bey den rohen Voͤlkerſchaften ge. Grdn weil ſie ſelbſt in der Vernunft eines ieden Menſchon liegen und nur der Entwikkelung durch Erfahrung beduͤrfen, um als ſolche allgemeinguͤltige Geſezze angeſehen werden zu können. Die Ehre bei den Zeitgenoſſen, und der Beifall ſei⸗ ner ſelbſt, welche die Befolgung dieſer Grundregeln begleiteten; die Schande und Strafen, welche ſich der Ulibertretter derſel⸗ ben zuzog; das Bewuſtſein, daß es in des Menſchen freiem Willen ſtuͤnde, ſein Verhalten nach denelbigen einzurichten— Dieſe und aͤhnliche Vorſtellungen verbreiteten ſehr fruͤhe ein wohlthaͤtiges Licht uͤber die wichtige Kenntniß der moraliſchen Natur des Menſchen. Der Menſch war berecheigt ſich eine ge⸗ wiſſe Wuͤrde beizulegen, ſo bald er einſah,(und dieſes ſah er gewis ſehr fruͤh ein), daß derienige Theil ſeines Weſens, welcher uͤber ſeine Beſtimmung nachdenken und die Regeln ſei⸗ nes Verhaltens erkennen konnte, zu wichtigern Abſichten be⸗ ſtimmt ſeyn müͤſſe, als ſein Koͤrper. Die Empfindungen des Wohlgefallens oder Mißfallens, welche bei der Betrachtung ſchoͤner oder häßlicher Eigenſchaften des Koͤrpers entſtanden, waren zu ſehr von denienigen verſchieden, welche auf die Wahr⸗ nehmung von Handlungen des Edelmuths, der Menſchenliebe, Gerechtigkeit Vaterlandsliebe u. ſ. w. folgten, als daß dieſes nicht mehr als alles andere den groſſen Unterſchied zwiſchen Seele u. Koͤrper beſtaͤtigt haben ſollte: welches die Worte Ci⸗
cero's ausdruͤkken, ex pulcritudine virtutis vim divinam men- tis agnoſeito..
Aus den angefuͤhrren Gränden iſt es, wie mich duͤnkt, ungezweiſelt gewis, daß ſich dieſe Vorſtellungsart ſehr fruͤhe un⸗ ter den Menſchen finden muſte, ohne daß ſie noͤthig hatten, ſich einen beſtimmten Begriff von ihrer Seele zu machen, und da⸗ ruͤber nachzudenken, worin der eigentliche Unterſchied zwiſchen Seele und Koͤrper beſtuͤnde.
B 2 2. Aber


