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Vorſtellungen und Gedanken, als eine Bewegung denken mu⸗ ſte. Aber daß dieſe Bewegungen doch ſehr von den Bewe⸗ gungen in der Koͤrperwelt verſchieden ſeyn muͤſten, war eines. ktheils dadurch klar, weil dieſe langſamer von ſtatten gingen, und ihr Wechſel leichter wahrgenommen werden konnte: andern theils dadurch weil ſie meiſtens nicht ehe im Koͤrper vorgehen konnten, bis ſie erſt durch einen Entſchlus des innern Men⸗ ſchen, des denkenden Weſens, bewirkt worden waren. Da⸗ gegen bemerkte man an den Gedanken und Vorſteulungen, daß ſie ſehr geſchwind wechſelten, daß ſich die Seele in einem Au⸗ genblik an lange verfloſſene Zeiten erinnern, oder in ſehr ent⸗ ſernte Gegenden verſezzen konnte.(Dieſes iſt celeritas mo- tus, wovon unſer Autor redet). Sie fuͤhlte ſich auch bey die⸗ ſen innern Bewegungen weit ſelbſtthäͤtiger und freier, als bei den körperlichen; ſie konnte alſo die Urſache der erſten nicht allein im Koͤrper ſuchen, ſondern muſte noch ein anderes davon verſchiedenes Weſen im Koͤrper annehmen, das die Urſache von denſelbigen enthielt.— Alles dieſes wurde zwar in der fruͤhern Kindheit des menſchlichen Geſchlechts nicht deutlich gedacht: aber nichts deſto weniger war auch die undeutliche Vorſtellung davon ſchon hinlaͤnglich, den groſſen Unterſchied zwiſchen Seele und Koͤrper empfinden zu laſſen..
Endlich kamen noch die Vorſtellungen von gewiſſen Ge⸗ ſezzen dazu, welche der Menſch beobachten muß, wenn er den Nahmen eines guten Menſchen verdienen will. Es bedurfte nur einen geringen Grad der Ausbildung der menſchlichen Ver⸗ nunft, damit die fruͤhern Erdebewohner in ihren Familiengeſell⸗ ſchaften und kleinen Staaten einſehen lernten, daß iedes Mit⸗ glied dieſer Geſellſchaften gewiſſe Pflichten gegen die andern er⸗ füllen muͤſſe, wenn Ruhe und Gluͤkſeligkeit unter ihnen beſte⸗
den ſollte. Die erſten Grundzuͤge der allgemeingültigen moraliſchen e⸗


