Aufsatz 
Einige Bemerkungen über eine Stelle aus Cicero's tusculanischen Untersuchungen, im I. Buche, 29. Cap / Friedrich Wilhelm Daniel Snell
Entstehung
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beſchaffen war, um hernach zu beſtimmen, wie ſich Cicero daſ⸗

ſelbige dachte. Zwei Zuſtaͤnde, worin ſich Seele und Koͤrper gegenein⸗

ander befinden koͤnnen, waren fuͤr den Menſchen zu allen Zei⸗

een merkwuͤrdig, um ſich dadurch eine Idee von dem eigenen

Weſen der Seele zu bilden: der Zuſtand des lebenden Men⸗ ſchen, und der Zuſtand des Leichnams nach der Trennung von dem andern Weſen, das ihn belebt hatte. In dem erſtern, wo Seele und Koͤrper vereinigt ſind, waren zwar die Wirkun⸗ gen der Seele ſichtbar, aber ſie ſelbſt wurde niemals als ein ſichtbares Obiekt wahrgenoemmen. Nach dem Tode, wo der Leib von dieſem belebenden Weſen verlaſſen war, fand man ebenfalls keine Spur, daß dieſes leztere, von dem Leibe ge⸗ trennt, durch aͤuſſere Anſchauung empfunden werden koͤnnte. Wenigſtens ſah man ein, daß dieſes auf natuͤrliche Art nie geſchehen wuͤrde; ſondern glaubte, daß die Erſcheinung eines Geiſtes nur durch ein Wunder bewirkt werden koͤnnte. Dieſe Gründe waren ſtark genug, ſich die Seele als ein unſichtba⸗ res Weſen zu denken.

Aber da man ſie doch als ein ausgedehntes Weſen denken muſte, wenn man die Einbildungskraft durch ein ſinnliches Bild von derſelben beſchaͤftigen wollte: ſo war es eben ſo narur⸗ lich, daß man ſich den Stoff derſelben ſehr fein, dem Auge zwar nicht ſichtbar, aber dennoch den aͤuſſern Gegenſtaͤnden aͤhnlich dachte. Daher wurde eine luftaͤhnliche, oder feueraͤhnliche (aͤtheriſche) Materie fuͤr den ſchiklichſten Stoff gehalten, wor⸗ aus dieſes unſichtbare, feine, ausgedehnte Weſen beſtehen muͤ⸗ ſte. Auf dieſe Art wurde auf der einen Seite der Unter⸗ ſchied zwiſchen ſichtbaren groͤbern Koͤrpern und der unſichtbaren denkenden Seele erhalten: auf der andern Seite aber dennae 1 fuͤr

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